Auf der Suche nach der Wunderbatterie

Was zum Durchbruch in der E-Mobilität noch fehlt

Erinnern Sie sich noch an den trommelnden Hasen aus der Werbung eines amerikanischen Batterie-Herstellers? 1973 wollte das Unternehmen Duracell damit zeigen, dass alkalische Batterien langlebiger sind als die bis dato klassischen Zink-Kohle-Modelle. Und so trommelte ein Häschen weiter fleißig vor sich hin, als allen anderen der Saft schon längst ausgegangen war. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis heute, fast 50 Jahre später, ein Batterie-Produzent in einem Werbespot mehrere Elektro-Autos gegeneinander antreten lässt. Und während nahezu alle mit den gängigen Lithium-Ionen-Akkus unterwegs sind und deshalb nach und nach zum Stillstand kommen, fährt eines mit einer neuen Batterie-Generation weiter als alle anderen. Und nicht nur das – an einer von zahlreichen freien Ladesäulen dank einer dann entwickelten Infrastruktur lädt das Auto keine zehn Minuten und kann seine Fahrt schon wieder fortsetzen.

Kurz und knapp:

  • Die E-Mobilität kommt hierzulande nur sehr schleppend voran. In absoluten Verkaufszahlen liegt Deutschland zwar schon auf Platz Drei der Welt, relativ gesehen ist der Anteil der E-Autos mit drei Prozent aber noch sehr gering.
  • Die drei größten Probleme sind die derzeit noch sehr geringe Reichweite, eine ungenügende Ladeinfrastruktur und der noch hohe Preis für E-Autos in Relation zu den Verbrennern.
  • Einer Studie der Boston Consulting Group zufolge könnten vor allem drastisch sinkende Benzinpreise für den Durchbruch in der E-Mobilität sorgen.
  • Geforscht wird derzeit unter Hochdruck aber nicht nur an der Reduzierung der Herstellungskosten, sondern auch an Alternativen zum Lithium-Ionen-Akku.
  • Wann und wo der Wettlauf um die Wunderbatterie gewonnen wird, dürfte auch darüber entscheiden, wie schnell das Thema Elektromobilität in Deutschland an Dynamik gewinnt.

Sinkende Batteriekosten als Turbo für die E-Mobilität
Ein solcher Werbespot dürfte zweifelsohne seine gewünschte Wirkung beim Verbraucher erzielen, denn um den tatsächlichen Durchbruch des Themas Elektro-Mobilität in der Kundschaft zu erzielen, müssen drei Probleme gelöst werden: Noch ist erstens die Reichweite der Fahrzeuge ist zu gering, was in Kombination mit zweitens zu wenig Ladesäulen wohl zur derzeit größten Hürde wird, und drittens erscheint der Preis für ein E-Auto den meisten in Relation zu den klassischen Verbrennern noch zu hoch. Aber auch das könnte sich mit den Fortschritten in der Batterieentwicklung ändern, davon zumindest ist die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) überzeugt. Neben dem Druck des Gesetzgebers zum CO2-Ausstoß dürften den Experten zufolge vor allem die drastisch sinkenden Batteriepreise dazu führen, dass bis 2030 der Marktanteil von Verbrennungsmotoren bei Neufahrzeugen von heute 96 auf knapp 50 Prozent schrumpfen wird. BCG erwartet, dass die heute noch bei rund 160 Dollar je Kilowattstunde (KWh) gelegenen Batteriekosten binnen zehn Jahren auf nur noch rund 80 Dollar je KWh fallen werden.

Der weite Weg vom Prototyp zum Massenprodukt
Unter Hochdruck geforscht wird in den Laboren rund um die Welt aber nicht nur daran, die Herstellungskosten für Batterien zu senken, sondern auch an völlig neuen Alternativen für den derzeitigen Standard Lithium-Ionen-Akku. Zu Jahresbeginn verkündete ein australisches Forscherteam, dass es mit so genannten Lithium-Schwefel-Batterien „auf der Schwelle zur Kommerzialisierung“ stünde. Die ersten Prototypen würden vom deutschen Fraunhofer-Institut für Werkstoff und Strahltechnik bereits gefertigt. 1.000 Kilometer Reichweite und damit mehr als doppelt so viel wie aktuelle E-Modelle versprechen die Forscher. Zudem sei Schwefel „als Abfallprodukt“ im Gegensatz zu Kobalt und Nickel weltweit verfügbar, was die neuen Akkus umweltfreundlicher und kostengünstiger macht. „Smarter“ Nebeneffekt: Die neue Technologie könnte auch dafür sorgen, dass unsere Handys nur noch alle fünf Tage ans Netz müssten.

Deutschland holt nur langsam auf
Da es allerdings noch einige Jahre dauern dürfte, bis aus Laborwundern tatsächlich verkaufsfähige Produkte für den Massenmarkt werden, ist nicht gesagt, ob die Forscher aus Down Under in der Zwischenzeit nicht von anderen auf der Suche nach dem Alleskönner unter den Batterien überholt werden oder der aktuelle Standard doch zunächst die Oberhand behält. Eines aber ist sicher: In die Suche nach der Wunderbatterie fließen derzeit hunderte Milliarden an Dollar, Euro und chinesischen Yuan. Wann und wo dieser Wettlauf gewonnen wird, dürfte dann auch darüber entscheiden, wie schnell oder wie langsam der Markt für Elektromobilität hier bei uns in Deutschland ins Laufen bzw. Fahren kommt. Die jüngsten Zahlen klingen zumindest vielversprechend. So stieg die Zahl der Zulassungen von E-Autos in Deutschland im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf 109.000 Fahrzeuge. Deutschland ist damit auf Platz drei hinter China und den USA geklettert und hat sogar den europäischen E-Autopionier Norwegen überholt. Allerdings nur in absoluten Zahlen, auf dem sehr viel kleineren Automarkt der Skandinavier ist immerhin bereits jedes zweite neu zugelassene Fahrzeug ein Stromer, hierzulande liegt der Anteil bei gerade einmal drei Prozent. Da klingt die Prognose der BCG-Experten mit einem weltweiten 50:50-Mix bis 2030 schon sehr optimistisch.

Fazit: Mit einem Durchbruch in der Batterieforschung wird das Thema E-Mobilität auch für Investoren interessant
Auf dem Weg dahin dürften in den kommenden Jahren zum einen die Forscher noch jede Menge Gehirnschmalz und zum anderen die Kapitalgeber noch den einen oder anderen Dollar in die Entwicklung der Wunderbatterie stecken. Wir als Vermögensverwalter beobachten die Trends auf diesem Markt natürlich sehr genau, halten uns aber in dem Stadium, in dem man noch nicht weiß, wer am Ende scheitert und wer den entscheidenden Coup landet, eher zurück. Wichtig ist für uns dagegen die Frage, wie schnell sich das Thema E-Mobilität durchsetzen wird. Und dafür ist ein – wie lange auch immer – trommelnder Hase und die Frage nach der Batterieleistung zwar ein entscheidendes Puzzle-Teil, aber wahrlich nicht das einzige.