Denkfabrik: Künstliche Intelligenz

Auf dem Weg zur Industrie 4.0

Dass mit Garri Kasparow gerade ein Schachweltmeister eine Entwicklerkonferenz Anfang Juni in Berlin eröffnet hat, ist kein Zufall. Dreht sich doch schon seit langem auf den Treffen von Software-Experten aus aller Welt alles nur noch um das eine Thema: „Künstliche Intelligenz“. Und mit keinem anderen Spiel lässt sich besser erklären, worum es dabei geht.

Kurz und knapp:

  • Künstliche Intelligenz (KI) ahmt menschliche Entscheidungsprozesse nach, lernt aus Fehlern und ist in der Lage, die Wirtschaftswelt zu revolutionieren
  • Die USA haben noch die Nase vorn, China holt auf und Deutschland hinkt hinterher
  • Maschinen werden nicht den Menschen ersetzen, die Kombination aus beiden ist die Lösung
  • KI ist einer der Megatrends, der unser Leben in den kommenden Jahrzehnten entscheidend prägen, aber auch die Finanzmärkte maßgeblich beeinflussen wird.

Die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts
Fast 35 Jahre ist es her, als eben jener Kasparow erstmals gegen einen Schachcomputer antrat. Damals noch gewann er alle Partien, aber schon 1996 musste er sich in zwei von sechs Partien gegen den von IBM entwickelten „Deep Blue“ geschlagen geben. Heute nun, 35 Jahre später, ist der Kampf Mensch gegen Maschine längst entschieden. „Am Ende gewinnen immer die Maschinen“, konstatierte die Schachlegende in seiner Eröffnungsrede. Aktuelle Schachcomputer spielten zwar noch nicht perfekt, aber sie machten so gut wie keine Fehler. Damit trifft Kasparow genau den Kern, um den es bei künstlicher Intelligenz geht. Längst gibt nicht mehr die höchste Rechenleistung den Ausschlag, sondern es gewinnt die schlaueste Maschine. Die, die in der Lage ist, alleine und damit auch aus ihren Fehlern zu lernen. Kurz gesagt, künstliche Intelligenz, oder auch KI, ahmt menschliche Entscheidungsprozesse nach und ist Experten zufolge in der Lage, die Wirtschaftswelt wie einst die Dampfmaschine zu revolutionieren.

Digitales Wettrüsten hat begonnen
Längst ist deshalb ein digitales Wettrüsten entstanden, indem die USA wie so oft die Nase vorn haben. China aber holt auf und Deutschland hinkt dagegen hinterher. Ein paar Zahlen: Während in den USA laut einer Studie der Konrad-Adenauer Stiftung jedes Jahr 3.000 Menschen zu künstlicher Intelligenz promovieren und rund 1.400 Startups am Start sind, gibt es in Deutschland gerade einmal 170 KI-Doktoranden pro Jahr und nur etwa 100 Startups, die diese Technologien entwickeln oder einsetzen. Da klingen die von der Bundesregierung angestrebten zusätzlichen 100 Professuren zwar wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, aber zumindest tut sich etwas. Drei Milliarden Euro sollen in das Thema KI bis 2025 investiert werden. Zum Vergleich: Allein der chinesische Alibaba-Konzern will 15 Milliarden US-Dollar in den kommenden drei Jahren in Forschung und Entwicklung investieren – ein Großteil davon in künstliche Intelligenz. Die Regierung in Peking will China bis 2025 gar zum Weltmarktführer auf diesem Gebiet machen.

Es geht nicht darum, den Menschen zu ersetzen
Vor allem in der Wirtschaftswelt, allerdings nicht nur da, wird künstliche Intelligenz ihre Spuren hinterlassen. Heiß diskutiert wird unter Experten die Frage, welche Rolle der Mensch in einer so genannten Industrie 4.0 spielt, in der Maschinen Maschinen steuern und Software wiederum Software programmiert. Während einige der Meinung sind, dass man den Menschen komplett ersetzen kann, beantwortet Schachspieler Kasparow die Frage, ob wir mit KI dem Ende der Menschheit näherkommen, mit einem auch für mich sehr sympathischen Nein. Die Menschen sollten sich darauf konzentrieren, ihre Vorstellungskraft und Kreativität mit den Maschinen zu vereinen, dann würden alle gewinnen.

Wird dieser Rat befolgt, steckt in diesem Thema jede Menge wirtschaftliches und damit auch finanzielles Potenzial. Studien zufolge könne KI die Arbeitsproduktivität über alle Branchen hinweg um rund 40 Prozent steigern. China dürfte laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC am stärksten profitieren. Allein durch KI könnte die zweitgrößte Volkswirtschaft bis 2030 um gut 26 Prozent wachsen, was einem Potenzial von sieben Billionen US-Dollar entspricht. Für Deutschland schätzen die Experten diesen Beitrag immerhin auf gut elf Prozent. Beruhigende Worte finden die Experten von PwC in Sachen Arbeitsmarkt. Die Ängste vor massenhaften Jobverlusten seien übertrieben. Zwar würden einfache Tätigkeiten in Zukunft von Maschinen erledigt, auf der anderen Seite aber neue Jobs und Berufsbilder entstehen. Statt eines Fahrers in einem autonom fahrenden LKW zum Beispiel braucht es dann vielmehr die Lotsen, die die Straßen überwachen. Das Fazit der Studie: KI hat das Potenzial, ganze Branchen disruptiv zu verändern.

Unser Fazit: KI ist ein globaler Megatrend, den wir als Vermögensverwalter genau beobachten
Die künstliche Intelligenz ist einer der stärksten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technologischen Megatrends, die unser Leben in den kommenden Jahrzehnten entscheidend prägen werden. Solche Trends entwickeln sich unabhängig von konjunkturellen Zyklen und haben entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung an den Finanzmärkten. Im Falle der künstlichen Intelligenz ist in den vergangenen Jahren sogar ein direktes Werkzeug für die Vermögensverwaltung entstanden. Es gibt bereits Fonds auf dem Markt, die mit Hilfe großer Datenmengen, den so genannten „Big Data“ Anlageentscheidungen vollautomatisiert treffen. Sowohl diesen als auch den generellen Megatrend Künstliche Intelligenz beobachten wir bei Novethos gerade im Hinblick auf bereits existierende Produkte und in Frage kommende Anlageinstrumente sehr genau, damit wir in einem für uns interessanten Stadium dann die nötigen Schlüsse für unsere Investitionsentscheidungen daraus ziehen können.