Ein gutes Mittel zum Zweck

Mit betrieblicher Altersversorgung Mitarbeiter finden und binden

Homeoffice, Kinderbetreuung, ein E-Bike für den täglichen Weg zur Arbeit oder frisches Obst im Büro – was die Anreize für potenzielle Mitarbeiter angeht, kennt die Kreativität der Unternehmen derzeit keine Grenzen. Auf einem leergefegten deutschen Arbeitsmarkt suchen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen verzweifelt Mitarbeiter, während entsprechend qualifizierte Fachkräfte oft schon wählen können, wem sie ihr Talent zur Verfügung stellen. Und hier besetzen zwar regelmäßig die Höhe des Gehalts und die Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten als Auswahlkriterien in Umfragen die vordersten Plätze. Aber gleich dahinter rangiert zunehmend ein erfolgversprechendes Element nicht nur zur Mitarbeitergewinnung, sondern auch zu deren Bindung ans Unternehmen: die betriebliche Altersversorgung.

Kurz und knapp:

  • Ein leergefegter deutscher Arbeitsmarkt und der Fachkräftemangel stellen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen ein großes Problem dar.
  • Mit einer intelligenten Ausgestaltung der betrieblichen Altersversorgung lässt sich die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber steigern.
  • Eine bedarfsgerechte bAV stärkt nicht nur die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen, sondern auch deren Motivation, mehr zu leisten, als von ihnen verlangt wird.
  • Gerade für wertvolle und hochbezahlte Führungskräfte mit entsprechend hoher Versorgungslücke bei Renteneintritt schafft eine passgenaue betriebliche Altersversorgung gute Anreize.
  • Unternehmen sollten Vorsorgepakete entsprechend ihrer wirtschaftlichen Situation schnüren, entscheidend für den Erfolg ist zudem die Kommunikation zu diesem Thema.

Vom Rechtsanspruch zum lukrativen Vorsorgepaket
Zwar lässt sich das Wortungetüm hinter den drei Buchstaben bAV gut verstecken, aber mit den Bestandteilen Alter und Vorsorge war es bislang ein Thema, mit dem sich vor allem junge Menschen nur ungern beschäftigen wollten. Vor dem Hintergrund der immer größer werdenden Rentenlücke und Zinsen auf dem Sparbuch, die kontinuierlich unterhalb der Inflationsrate liegen, wird die betriebliche Altersvorsorge nun aber bei der Auswahl eines Arbeitgebers immer relevanter. Warum nicht die pure Notwendigkeit, heute schon an später zu denken, auf mehrere Schultern verteilen, so der Gedanke dahinter. Und wenn dann noch aus der „Last“ für einen Arbeitgeber, der mit der bAV seiner sozialen Verantwortung gerecht wird und gemeinsam mit seinen Mitarbeitern dafür sorgt, dass sie im Alter abgesichert sind, ein Attraktivitäts- und Imagegewinn resultiert, entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Gemeinsam bis zur Rente
Aus der reinen Erfüllung des Rechtsanspruchs auf eine Umwandlung eines Teils des Gehalts kann durch eine proaktiv gestaltete Beteiligung des Arbeitgebers in so genannten Matching-Modellen ein lukratives Vorsorgepaket für den Arbeitnehmer entstehen. Wenn der Pensionsplan dann noch auf die Wünsche und Bedürfnisse des Mitarbeiters abgestimmt wird, ist dies laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Willis Towers Watson für 58 Prozent der Befragten ein wichtiger Grund für die Entscheidung, bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben. Wird die bAV als nicht bedarfsgerecht wahrgenommen, liegt dieser Wert bei nur 17 Prozent. Und noch eine Zahl, die zeigt, welchen hohen Stellenwert das Thema inzwischen bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung hat: 72 Prozent der Mitarbeiter, und zwar ganz unabhängig ihres Alters, gaben an, mit einer bedarfsgerechten bAV sogar bis zur Pensionierung bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber bleiben zu wollen.

Besondere Angebote für besondere Mitarbeiter
Vor allem von wertvollen Führungskräften sollte man sich als Arbeitgeber wünschen, dass sie bis zu ihrer Rente dem Unternehmen erhalten bleiben. Denn gehen sie, verlässt in der Regel eine stark engagierte und belastbare Fachkraft mit jeder Menge Wissen und Erfahrung das Haus. Deshalb heißt es, schon im Vorfeld gerade diesen Mitarbeitern eine hohe Wertschätzung entgegenzubringen – zum Beispiel mit einer genau auf sie zugeschnittenen betrieblichen Altersversorgung. Und da die Versorgungslücke einer hochbezahlten Führungskraft mit dem Renteneintritt mindestens ebenso groß ist wie die Lücke, die es für das Unternehmen gilt zu schließen, wenn sie geht, profitieren von einer intelligenten und bedarfsgerechten Lösung in der bAV als Bleibe-Anreiz beide Seiten.

Eine Frage der Situation und Kommunikation
Eine optimale betriebliche Altersversorgung muss aber nicht nur auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer abgestimmt sein, sondern auch die Situation des jeweiligen Unternehmens berücksichtigen. So sollte zum Beispiel ein Startup darauf achten, dass es sich nicht zu früh zu hohen finanziellen Leistungen verpflichtet, sondern die Versorgungszusagen mit der Größe und Lebensdauer des Unternehmens mitwachsen können. Auch dürfte ein kleiner Handwerksbetrieb andere Vorsorgepakete für seine überwiegend körperlich tätigen Mitarbeiter schnüren als ein mittelständischer IT-Dienstleister mit sehr viel jungen Mitarbeitern, die die meiste Zeit am Schreibtisch verbringen.

Egal, wie die bAV in einem Unternehmen gestaltet ist, am Ende steht und fällt alles mit der Art und Weise, wie das Thema kommuniziert wird. Ein Vorsorgepaket kann noch so interessant und lukrativ für den Arbeitnehmer geschnürt sein. Versteht er das Ganze nicht, bleibt nicht nur die betriebliche Altersversorgung ein Wortungetüm, sondern auch das Potenzial, damit im Wettstreit um Talente ganz vorn mitzuspielen, verborgen.

Unser Fazit: Richtig ausgestaltet ist die bAV ein gutes Tool zur Mitarbeitergewinnung und -bindung

Die betriebliche Altersversorgung und ihre Ausgestaltung wird für potenzielle Arbeitnehmer ein immer wichtigerer Faktor bei der Auswahl eines Arbeitgebers, aber auch der Frage, ob und wie lange man bei einem Unternehmen bleibt. Mit dem Fürsorgegedanken und der Wahrnehmung der sozialen Verantwortung kann ein Arbeitgeber seine Attraktivität erheblich steigern und sich im Kampf um die besten Leute von der Konkurrenz abheben. Auf die Bedürfnisse abgestimmt, für beide Seiten lukrativ und gleichzeitig sicher, sollte die bAV auf die jeweilige Unternehmenssituation abgestimmt sein und verständlich kommuniziert werden. Dann ist sie ein gutes Mittel zum wohl wichtigsten Zweck, dem langfristigen Erfolg eines Unternehmens.