Ein "Nein" ist gar nicht so leicht

Nachhaltige Geldanlage ist schwieriger als man denkt

"Hat es Ihnen geschmeckt?“ Wer kennt nicht den Moment im Restaurant, in dem ein netter Kellner zusammen mit den Tellern auch die Zufriedenheit der Gäste in die Küche mit zurücknehmen möchte. „Ja, war alles gut – vielen Dank“ lautet die klassische Antwort. Egal ob aus Höflichkeit oder der Annahme, die Kritik würde es sowieso nicht bis zum Koch schaffen, oder aber dem berechtigten Argument, sich nicht erst nach dem Essen beschweren zu dürfen – nur selten ist ein „Nein“ zu hören. Ebenso tun wir uns schwer damit, die Frage vom Chef nach einem Meeting nach sechs zu verneinen. Nicht ohne Grund gibt es zahlreiche Seminare, in denen man lernt, warum ein „Nein“ nicht Schwäche, sondern vielmehr Stärke demonstriert. Wer öfter mal „Nein“ sagen kann, macht sich nicht zu schnell abhängig von anderen und bewahrt sich den Respekt seiner Mitmenschen. Und den Respekt vor seiner Umwelt demonstriert derjenige, der in der Geldanlage nicht nur weiß, was er will – nämlich Zinsen, Ertrag, also kurzum Rendite, sondern auch was er nicht will. Denn bei aller Komplexität des Themas fängt nachhaltige Geldanlage mit einem einfachen „Nein“ an.

Kurz und knapp:

  • Ein unüberschaubares Angebot auf dem Markt und fehlende einheitliche Standards beim Thema Nachhaltigkeit in der Geldanlage überfordern zunehmend sowohl Anbieter als auch Investoren.
  • Regulatorische Änderungen im Beratungs- und Investmentprozess machen nachhaltiges Investieren in Zukunft auch für Lenker von Stiftungsvermögen noch anspruchsvoller.
  • Was mit einem „Nein“ zu bestimmten Ausschlusskriterien anfängt, wirft im Laufe des Prozesses jede Menge offene Fragen auf und erfordert Anpassungen in der Stiftungsarbeit.
  • Gemeinsam mit unseren Mandanten arbeiten wir daran, einen Teil des Kapitals in Zukunft anders einzusetzen, damit unsere Welt auch für mehr Menschen und in veränderten Lebensräumen weiterhin lebenswert bleibt.

Überforderung auf beiden Seiten
Grüne Renditen, Öko-Siegel, Ethik-Fonds – wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, überbieten sich die Anbieter von Geldanlagen geradezu mit ihren Marketing-Konzepten. Die Diskussionen um Klimawandel, Ressourcenknappheit und Flüchtlingsströme führten in den vergangenen Jahren zu einem radikalen Paradigmenwechsel in Banken und Fondsgesellschaften. Der zuvor ausgetragene Wettstreit um Performance und Risikovermeidung wird mehr und mehr abgelöst von der Frage, wer denn der grünste im ganzen Land ist. Auf der anderen Seite werden Anleger und Investoren in der Einordnung von Begrifflichkeiten, Bedeutungen und deren Anwendung zunehmend überfordert.

Der Begriff Nachhaltigkeit allerdings ist nicht geschützt. Bezeichnungen wie „grün“ und „nachhaltig“ dürfen frei verwendet werden. Und so kommt zu einem mittlerweile unüberschaubaren Angebot auf dem Markt als Problem die jeweilige unterschiedliche Interpretation und Umsetzung des Themas durch den Anbieter hinzu. Einige orientieren sich an den so genannten ESG-Kriterien: Environmental, Social, Government, andere an den 17 Kriterien der Vereinten Nationen, wiederum andere nutzen den Ansatz des Socially Responsible Investment (SRI) und in vielen Prospekten ist zudem vom „Best-in-Class“-Ansatz die Rede. Hier kann der interessierte Investor schnell den Überblick verlieren. Nachhaltigkeitsratings könnten ihm da zwar den Weg aus dem Angebotsdschungel weisen, allerdings sind auch die Kontrolleure selbst mit dem Problem konfrontiert, dass es noch keine umfassenden Standards zu diesem Thema gibt.

Wo Regeln und Definitionen fehlen, muss der Gesetzgeber ran. Die Europäische Union hat sich deshalb des Themas bereits vor drei Jahren angenommen und im Frühjahr 2018 einen Aktionsplan mit zahlreichen Regulierungsmaßnahmen veröffentlicht. Klangvoll benannte Ausschüsse wie die Technical Expert Group (TEG) und die High Level Expert Group (HLEG) haben Vorschläge zur Klassifizierung von Aktivitäten und Assets unter qualitativen und quantitativen Kriterien erarbeitet. Ab 2020 sollen zudem neben Renditezielen und Risikobereitschaft auch explizit die Nachhaltigkeitswünsche des Anlegers abgefragt werden. Ernstgemeintes nachhaltiges Investieren wird also in Zukunft noch anspruchsvoller, wodurch sich allerdings auch der Trend zur Überforderung für beide Seiten noch einmal beschleunigen dürfte.

Die Antwort auf eine nicht ganz einfache Frage
In einem Punkt sind sich dafür alle Beteiligten einig: Wo Nachhaltigkeit draufsteht, muss ungeachtet aller verschiedenen Ansätze und Ratings zunächst einmal Nachhaltigkeit drin sein. Eng damit verbunden wäre dann gleichzeitig die Antwort auf die Frage, was eben nicht in einem nachhaltigen Portfolio drin sein darf. An dieser Stelle gilt es für den Anleger, „Nein“ zu sagen zu einer ganzen Reihe von Ausschlusskriterien wie Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutzstandards oder Korruptionsverbote. Aber auch Produzenten und Händler von Waffen und Hersteller von manipuliertem Saatgut gehören dabei genauso aussortiert wie alle Unternehmen, die ihre Umsätze mit Tabak und Alkohol erwirtschaften. Und der aktuellen Hysterie um negative CO2-Bilanzen folgend könnte man sogar noch einen Schritt weiter gehen und in einer Art Öko-Moral auch noch Autos mit Verbrennungsmotoren und das Fliegen auf die schwarze Liste setzen.

Während die einen aber die Öko-Moral fordern, beklagen andere die Doppelmoral: Wer morgens mit dem Auto ins Büro fährt, für Urlaubs- und Geschäftsreisen den Flieger nimmt und abends gern ein Glas Wein und eine gute Zigarre genießt, darf und soll derjenige dennoch alle Produzenten von Energie, Autos, Alkohol und Tabak aus seinem Portfolio ausschließen? Stößt man dann nicht irgendwann durch ein zu kleines Anlageuniversum in Sachen Risikostreuung an seine Grenzen? Und wie viel Toleranz ist in einer wirtschaftlichen vernetzten Welt mit langen und unübersichtlichen Lieferketten bei den Unternehmen nötig oder eben gerade noch akzeptabel? Gibt es überhaupt eine hundertprozentige Nachhaltigkeit? Jede Menge offene Fragen, dazu die anstehenden regulatorischen Änderungen im Beratungs- und Investmentprozess – gerade für Lenker von Stiftungsvermögen dürfte das Thema Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren eine große Herausforderung darstellen.

Unser Fazit: Das Thema Nachhaltigkeit ist eine Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen müssen und wollen
Die derzeit leidenschaftliche, mitunter aber auch hektisch geführte Diskussion zum Thema Klimaschutz zeigt, dass man ganze Prozesse neu denken muss. Wenn es zukünftig darum geht, Investitionen und Anlagen in Einklang mit den geforderten Nachhaltigkeitsaspekten zu bringen, wird es nicht ausreichen, lediglich ein paar Stellschrauben nachzujustieren. Was mit einem einfachen „Nein“ anfängt, kann bei Stiftungen im Laufe des Prozesses Anpassungen in der Gremienarbeit, den Richtlinien oder auch in der Satzung erforderlich machen. Ein unübersichtliches Angebot und nicht eindeutige Begrifflichkeiten erschweren zudem den Durchblick. Um so wertvoller ist es für unsere Mandanten, sie auf diesem Weg zu begleiten und zu übersetzen sowie Anforderungen und Wünsche auf deren Machbarkeit und Umsetzbarkeit zu prüfen. Bei nachhaltigen Anlagen mit direkter, positiver Wirkung für die Gesellschaft, dem Impact Investing, legen wir zudem Wert auf die Messbarkeit des Erreichten und eine hohe Transparenz der Ergebnisse. Seit fast einem Jahrzehnt beschäftigen wir uns nun schon mit nachhaltigem Investieren und werden auch in Zukunft als verlässlicher, objektiver Partner an der Seite unserer Kunden stehen. Und wenn wir es gemeinsam schaffen, einen Teil des Kapitals in Zukunft anders einzusetzen, wird unsere Welt auch für mehr Menschen und in veränderten Lebensräumen weiterhin lebenswert bleiben!