Mehr als nur eine Versicherung

Warum Herr Kaiser bei der betrieblichen Altersvorsorge an seine Grenzen stößt

"Hallo, Herr Kaiser!“ – wenn Sie nicht zufällig jemanden mit einem solchen Titel im Bekanntenkreis haben, denken Sie vermutlich gleich an den Versicherungsvertreter, der zunächst 35 Jahre und nach einer kurzen Unterbrechung auch heute noch über die Mattscheibe flimmert. Und selbst wenn man eine bekannte Suchmaschine nur mit den zwei Worten „Hallo Herr“ füttert, kann man sich den Kaiser sparen und findet den direkten Weg zu einer der größten Ikonen des deutschen Werbefernsehens. Hier hat also die Werbung wie auch bei Tilly, Klementine oder dem Tempo-Taschentuch ihren Zweck erfüllt und etwas so eng miteinander verknüpft, was man nur schwer wieder voneinander trennen kann.

Kurz und knapp:

  • Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen erfüllen mit ihrem Angebot einer betrieblichen Altersvorsorge lediglich den Rechtsanspruch des Arbeitnehmers.
  • Dabei kann ein Arbeitgeber mit lukrativen Vorsorgepaketen für seine Mitarbeiter seine Attraktivität maßgeblich steigern und Fachkräfte leichter finden und an sich binden.
  • Die bAV ist kein reines Versicherungsprodukt, sondern eine arbeitsrechtliche Gestaltung, eine unternehmerische Entscheidung, bei der ein Versicherungsvertrag von arbeitsvertraglichen und sozialversicherungsrechtlichen Beziehungen flankiert wird.
  • Sie muss gut administriert und gemanagt werden, um ihr gesamtes Potenzial entfalten zu können – ohne großen Aufwand, unnötige Kosten und hohe Risiken.
  • Eine unabhängige Beratung, bei der eine Entkopplung vom reinen Produktverkauf stattfindet, ist deshalb unabdingbar.

Kein reiner Produktverkauf
Ähnlich verhält es sich leider mit dem Terminus „betriebliche Altersvorsorge“, wo auch einige damit sofort ein Versicherungsprodukt und den von Tür zu Tür ziehenden Vertreter assoziieren, bei dem man lieber schnell einen Vertrag unterschreibt, um ihn alsbald wieder loszuwerden. Nur stellt sich hier die Frage, wer in diesem Fall die beiden Dinge miteinander verknüpft hat. Denn die betriebliche Altersvorsorge, kurz bAV, ist eben kein reines Versicherungsprodukt und schon gar nicht eignet es sich für den bloßen Produktverkauf. Vielmehr handelt es sich hier um eine arbeitsrechtliche Gestaltung, eine unternehmerische Entscheidung, wo ein Vorsorgeprodukt von vielen arbeitsvertraglichen und sozialversicherungsrechtlichen Beziehungen so entscheidend flankiert wird, dass es einer unabhängigen und kompetenten Beratung bedarf, um für beide Seiten – sowohl für den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber – die optimale Lösung zu finden.

Es muss sich für beide Seiten lohnen
So richtig kommt die betriebliche Altersvorsorge in Deutschland nicht vom Fleck. Daran hat auch das im vergangenen Jahr eingeführte Betriebsrenten-Stärkungsgesetz nur wenig geändert. Vor allem von den kleinen und mittelständischen Unternehmen erfüllt ein Großteil immer noch lediglich den seit 2002 gesetzlich verankerten Rechtsanspruch eines Arbeitnehmers. Andere wiederum begnügen sich mit dem Management von Altlasten aus vor langer Zeit schon vereinbarten Betriebsrenten. Beides führt zwar nicht unbedingt am Sinn und Zweck vorbei, die Unternehmen verzichten damit aber auf die Chance, die eine optimale Ausgestaltung der bAV bietet: die Steigerung ihrer Attraktivität als Arbeitgeber durch eine sinnvolle Versorgung der Arbeitnehmer im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht. Und attraktive Unternehmen locken nun mal die guten Leute an. Auf einem leergefegten Arbeitsmarkt dürfte derzeit so mancher Mittelständler in Deutschland Probleme haben, die richtigen Fachkräfte an Bord zu holen. Dabei zeigen Studien, dass eine bedarfsgerechte bAV nicht nur dabei hilft, sie zu finden, sondern sie auch langfristig ans Unternehmen zu binden und zu Leistungen über das Verlangte hinaus zu motivieren. Gerade dann, wenn durch eine proaktiv gestaltete Beteiligung des Arbeitgebers aus einem scheinbar langweiligen und unattraktiven Versicherungsprodukt auf einmal ein lukratives Vorsorgepaket für den Arbeitnehmer entsteht.

Kompetenz ist gefragt
Nun klingt das, was lukrativ für den Arbeitnehmer ist, auf den ersten Blick nach Aufwand, verbunden mit hohen Kosten für den Arbeitgeber, weshalb viele Unternehmer davor zurückschrecken. Genau hier aber liegt der oben angesprochene Erklärungs- und Beratungsbedarf, der weit über die Kompetenzen eines Versicherungsvertreters hinausgeht. Dieser hat in der Regel auch keinen Einblick in die Strukturen, Prozesse und vor allem die finanzielle Ausstattung eines Unternehmens. Genau darauf aber sollten die zukünftige Entwicklung der Aufwendungen für die bAV und die entstehenden Pensionsverpflichtungen abgestimmt und über die Laufzeit aktiv gemanagt werden. Das heißt auch, dass das Versorgungssystem regelmäßig auf seine Marktüblichkeit und die sich ändernden Rahmenbedingungen analysiert und angepasst werden muss. Zudem gibt es nur wenige Themenfelder, in denen sich die Rechtslage häufiger ändert als im Bereich der finanziellen Vorsorge. Damit sich die ganze Mühe am Ende auch für den Arbeitnehmer lohnt, ist es von Vorteil, wenn so viele Mitarbeiter wie möglich das einmal zusammen mit dem Berater ausgeklügelte System der Betriebsrente nutzen, denn dann entstehen auch hier die in Unternehmen so beliebten Skaleneffekte. Dafür aber müssen die Vorsorgeleistungen transparent und verständlich kommuniziert werden. Statt zum Beispiel großer Aushänge in der Betriebskantine empfiehlt sich auch bei diesem Thema der Einsatz moderner Medien. Wenn dann noch Ansprechpartner und Verantwortlichkeiten klar geregelt und allen Mitarbeitern bekannt sind, steht einem reibungslosen Ablauf und einem hohen Interesse der Belegschaft an diesem Thema nichts mehr im Weg.

Fazit: Mit unabhängiger Beratung und einem guten Produkt kann die betriebliche Altersvorsorge viel mehr als eine reine Versicherung
Die meisten haben sie, aber nur die wenigsten von ihnen nutzen sie richtig. Wer als Arbeitgeber mit einer optimal ausgestalteten betrieblichen Altersvorsorge seinen Mitarbeitern eine attraktive und flexible Möglichkeit bietet, für den Ruhestand vorzusorgen und sich nicht nur mit der Erfüllung des Rechtsanspruchs begnügt, kann seine Attraktivität als Arbeitgeber deutlich steigern. Um auf der anderen Seite Aufwand, Kosten und finanzielle Risiken für das Unternehmen zu vermeiden und ihr gesamtes Potenzial zu entfalten, muss die bAV gut administriert und gemanagt werden. Um sie gleichzeitig auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und die betrieblichen Voraussetzungen anzupassen, ist eine unabhängige Beratung und Entkopplung vom finalen Produktverkauf unabdingbar.