Vom Suchen und Finden neuer Wege

Zeitgemäßes Investieren von Stiftungen in zinslosen Zeiten

Mit Ursula von der Leyen führt eine Deutsche die EU-Kommission und mit Christine Lagarde eine Französin die Europäische Zentralbank (EZB). Die Sparer, aber auch so manch ein Lenker von Stiftungsvermögen, hätten es vermutlich gern gesehen, wenn die Personalrochaden in Brüssel zum genau umgekehrten Ergebnis geführt hätten. Denn als Hüter über Euro und Zinsen war mit dem Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann durchaus jemand im Gespräch, der den Stiftungsgremien das Leben zumindest langfristig hätte etwas erleichtern können. Zwar entbehrt die Vorstellung, es brauche nur einen Deutschen an der EZB-Spitze, um bald deutlich höhere Zinsen in der Eurozone zu sehen, jeglicher Realität. Aber dass Weidmann wie „Super-Mario“ Draghi bei finanziellen Problemen der südeuropäischen Sorgenkinder den Geldbeutel aller Europäer genauso schnell und weit geöffnet hätte, darf durchaus bezweifelt werden. Noch weiß man nicht, wie Frau Lagarde zu diesem Thema steht. Aber eines wissen wir: Mit ihr an der Spitze dürften die Zinsen in der Eurozone auch auf absehbare Zeit nicht deutlich steigen. Und damit müssen auch wir als Vermögensverwalter für Stiftungen uns weiter auf die Suche nach Alternativen zu den traditionellen und konservativen Anlageformen machen.

Kurz und knapp:

  • Die Zinsen in der Eurozone dürften auf absehbare Zeit nicht deutlich steigen
  • Stiftungen haben in dieser Situation ein Problem, Alternativen zu ihren bislang sehr konservativen Anlagestrategien zu finden
  • Allein die Erhöhung der Aktienquote ist nicht immer der beste der Weg zum Ziel
  • Ein aktiveres Bewirtschaften der Vermögenswerte sowie ein stärker ausgeprägtes betriebswirtschaftliches Denken sind gefragt
  • Einfache Lösungen gibt es derzeit nicht, neue Wege lassen sich am besten gemeinsam mit einem Vermögensverwalter
    als starken Partner an der Seite der Stiftungsgremien beschreiten

Kleine Stiftungen vor großen Problemen
Grundsätzlich haben alle Stiftungen mit der aktuellen Situation ihre Probleme, egal ob klein oder groß. Aber gerade kleine, und ich spreche da von den zwei Dritteln in Deutschland, deren Stiftungskapital unter einer Million Euro liegt, dürften bei Alternativen wie größeren unternehmerischen Beteiligungen oder Direktimmobilen, mit denen regelmäßige Einnahmen generiert werden, an ihre Grenzen stoßen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass laut einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands fast jede zweite von ihnen (45,4 Prozent) im vergangenen Jahr noch nicht einmal den Inflationsausgleich erwirtschaftet haben dürfte. Bei größeren Stiftungen „vernichtet“ immerhin jede dritte (33,6 Prozent) ihr Kapital. Die Tendenz über die vergangenen drei Jahre: stark steigend, wie die Grafik veranschaulicht.

Nur allein Aktien statt Anleihen ist nicht immer die beste Lösung
Für die Verwalter von Stiftungsvermögen wird es vor diesem Hintergrund immer wichtiger, die wirklich passenden, guten und verlässlichen Lösungen von den weniger guten und oft auch schlechter kalkulierbaren trennen zu können. So ist allein eine Erhöhung der Aktienquote und Beimischung aktiver Portfoliobausteine langfristig nicht für jede Stiftung die richtige Lösung. Die Kompetenz zur Beurteilung der Qualität solcher Investitionen ist nicht in allen Stiftungsgremien gleichmäßig stark ausgeprägt. Umso wichtiger ist es, einen Partner an der Seite zu haben, der mehr ist als ein reiner Vermögensverwalter. Es bedarf auch gelegentlich der Funktion eines Dolmetschers, der Finanzsprache in Stiftungssprache übersetzen kann. Auch sollte dieser frei von Haus- und
Produktinteressen agieren und im richtigen Moment die richtigen Signale senden.

Neue Ideen entstehen im Dialog
Eines hat nach nun schon fast zehn zinslosen Jahren immer noch Bestand: Die Entscheidungsträger müssen von passiven Sparern zu aktiven Investoren werden. Dazu zählen ein aktiveres Bewirtschaften der Vermögenswerte und ein stärker ausgeprägtes betriebswirtschaftliches Denken. Wir haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass sich die Offenheit und Lebendigkeit für gemeinsame Projekte und das Zusammenwirken zwischen Stiftung und Vermögensverwalter sehr positiv verändert hat, woraus teilweise auch viele neue Ideen entstanden sind. Damit einher aber geht die steigende Notwendigkeit, die Anlagestrategie regelmäßig zu hinterfragen und die jeweiligen für das Stiftungskapital geltenden Anlagerichtlinien ständig zu überprüfen.

Unser Fazit: Die einfache Lösung gibt es nicht, aber neue Wege im Rahmen der Regeln sind vorhanden
Vermeintlich einfache Lösungen gibt es aus unserer Sicht derzeit nicht. Daher ist die Überprüfung der Tragfähigkeit von angebotenen Lösungen aus allen Anlageklassen die alles entscheidende Aufgabe für den Vermögensverwalter gemeinsam mit den Stiftungsgremien. Dabei gilt es, die regulatorischen Rahmenbedingungen der Stiftungs- und Finanzaufsicht zu achten und einzuhalten. Dennoch ist es aus unserer Sicht möglich, neue Wege zu beschreiten, um aus alternativen Ertragsquellen Einnahmen zur Erfüllung des Stiftungszwecks zu erzielen. Wir bei Novethos schätzen die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Einrichtungen seit unserer Gründung im Jahr 2008 sehr und empfinden es als eine Herzensangelegenheit, um die wir uns gemeinsam mit unseren Mandanten kümmern dürfen.