Rechtzeitig und richtig den Nachlass regeln

Fehler und Fallstricke beim Vererben

Es gibt kaum ein Thema, über das man sich zu Lebzeiten so wenig Gedanken macht, das aber gleichzeitig für mehr Streit in der Familie sorgt wie das Vererben. Sich dabei mit den gesetzlichen Regeln vertraut zu machen, ist die eine Seite. Nur wer aber die Fallstricke kennt und Fehler vermeidet, sorgt im meist überraschenden Todesfall dafür, dass sich die Hinterbliebenen auf die wesentlichen Dinge wie die Trauer um den geliebten Menschen konzentrieren können. Dieser Artikel soll hier eine Hilfestellung geben.

Kurz und knapp:

  • Die gesetzliche Erbfolge regelt nicht immer alles im Sinne des Erblassers, es empfiehlt sich das Aufsetzen eines Testaments
  • Bei Form, Formulierungen, Zeitpunkt und Aufbewahrung des Testaments gilt es, Fehler zu vermeiden
  • „Berliner Testament“ ist nicht immer von Vorteil
  • Vernachlässigung des Pflichtteilthemas kann zu Liquiditätsproblemen führen
  • Expertenrat einholen
  • Frühzeitig planen

Testament richtig aufsetzen
Streit um das Erbe entsteht in der Regel dann, wenn der letzte Wille des Verstorbenen zu Lebzeiten gar nicht oder nicht eindeutig geklärt worden ist. So gibt es die weit verbreitete Meinung, es braucht nicht unbedingt ein Testament, da die gesetzliche Erbfolge schon alles regeln wird. Das macht sie zwar, aber nicht immer im Interesse des Erblassers. Auch kinderlose Paare beerben sich nicht unbedingt allein. Gerade Immobilieneigentümer sollten bedenken, dass die gesetzliche Erbfolge unter Umständen zum Verkauf eines Hauses führt, um das Geld unter den Erben aufzuteilen. Ohne Testament entstehen oft unerwünschte Erbengemeinschaften, womit Konflikte vorprogrammiert sind.

Im Grunde genommen ist man nie zu jung, um ein Testament aufzusetzen. Denn ein Todesfall kündigt sich nicht immer an, sei es durch einen Unfall oder eine plötzliche schwere Krankheit. Grundsätzlich sollten sich alle Erwachsenen mit dem Thema beschäftigen, um im Ernstfall zum Beispiel die gerade neu gegründete Familie abzusichern. Zu spät für ein Testament kann es dann sein, wenn man nicht mehr testierfähig ist. Dann führen Zweifel an der geistigen Verfassung des Verstorbenen zum Zeitpunkt der Testamentserstellung oft zu Streit unter den Erben.

Wichtig ist die äußere Form des Testaments. Wer keinen Notar hinzuzieht, sondern es selbst aufsetzt, muss es von Anfang bis Ende mit der Hand schreiben sowie unter Angabe von Ort und Datum mit Vor- und Nachnamen unterzeichnen. Nachträgliche Änderungen müssen ebenfalls mit einer Unterschrift sowie Ort und Datum bestätigt werden. Was den Inhalt angeht, gilt: Je eindeutiger die Formulierung, umso leichter fällt es, den Willen des Verstorbenen auch umzusetzen. Missverständnisse oder Spielraum für unterschiedliche Interpretationen führen bei den Angehörigen zu Irritationen und Streit. Aufbewahrt werden sollte das Testament an einem sicheren Ort, der aber nicht so sicher sein darf, dass die Angehörigen nicht wissen, wo es sich befindet und das Testament bei der Haushaltsauflösung auf dem Sperrmüll landet. Alternativ kann es auch beim Amtsgericht hinterlegt werden.

Wer sich entschlossen hat, ein Testament aufzusetzen, hat schon mal den ersten richtigen Schritt getan. Aber in der Regel noch nicht den letzten. Testamente sollten mindestens alle fünf, wenn nicht gar alle drei Jahre auf die aktuellen Vermögens- und Familienverhältnisse sowie gesetzliche Änderungen hin geprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Wird gar ein neues Testament aufgesetzt, muss explizit erklärt werden, welche älteren Verfügungen aufgehoben werden sollen. Am einfachsten ist es, im Rahmen des neuen Testaments alle vorherigen Verfügungen eindeutig zu widerrufen.

Aber wer erbt, wenn der testamentarisch eingesetzte Erbe nicht mehr lebt? Das kann im Einzelfall fraglich oder gar unerwünscht sein, Streit wäre auch in diesem Fall vorprogrammiert. Damit am Ende nicht derjenige etwas erbt, der nach dem Willen des Verstorbenen partout nichts hätte bekommen sollen, gehört die Regelung der Ersatzerbschaft in jedes Testament.

„Berliner Testament“ ist nicht immer die beste Lösung
Eine beliebte Form, den Nachlass unter Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnern zu regeln, ist das so genannte „Berliner Testament“. Damit setzen sich beide im Falle des Todes gegenseitig als Alleinerben ein. Kinder erben in der Regel erst dann, wenn auch der zweite Elternteil verstorben ist. Sie können jedoch auch schon vorher den Anspruch auf ihren Pflichtteil geltend machen. Mit einem Berliner Testament bindet man sich sozusagen bis über den Tod hinaus. Denn gibt es keine anderslautende Klausel, darf die einmal festgelegte Vermögensverteilung nach dem Tod eines der beiden Partner nicht mehr geändert werden. Wer dem überlebenden Ehepartner mehr Gestaltungsspielraum zubilligen möchte, muss das im Testament festlegen. Auch aus steuerlicher Sicht ist ein Berliner Testament häufig nicht die beste Lösung.

Das Problem mit dem Pflichtteil
Richtig kompliziert wird es, wenn es um das Thema des Pflichtteils geht. In Deutschland hat der Berechtigte einen Anspruch gegen die Erben auf Zahlung eines Geldbetrages. Das kann den Erben, der den Pflichtteil zahlen muss, unter Umständen in große Liquiditätsprobleme stürzen, wenn zum Nachlass illiquide Vermögensbestandteile wie Immobilien oder ganze Unternehmen gehören. Das Thema kann man schon im Vorfeld entschärfen, indem man zum Beispiel zu Lebzeiten einen notariellen Pflichtteilsverzichtsvertrag mit seinen Kindern oder dem Ehepartner abschließt.

Das Thema ist zum Beispiel in Italien und Frankreich anders geregelt – nur eine von zahlreichen gravierenden Unterschieden zwischen den Rechtslagen der jeweiligen Länder. Bei Auslandsvermögen oder einer Beteiligung von Ausländern hat häufig das ausländische Erbrecht Vorrang. Da kommen das internationale Privatrecht und die EU-Erbrechtsverordnung ins Spiel. Diese regeln die anwendbare Rechtsordnung in einem Fall mit Auslandsbezug.

Bleiben noch die Themen Ehevertrag, der unter Umständen auch erbrechtliche Bedeutung haben kann, die oft vernachlässigten steuerlichen Konsequenzen sowie die Berücksichtigung vorhandener Schulden, bei denen noch zahlreiche Fallen lauern. Diese hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Da hilft ein Anwalt für Erbrecht sicher weiter.

Fazit: Fehler vermeiden reicht oft nicht, Rat eines Experten ist sinnvoll
Das Erbrecht ist hochkompliziert, sowohl aus zivil- als auch aus steuerrechtlicher Sicht. Einerseits hält es so viele Instrumente und Gestaltungsmöglichkeiten bereit, um die Erbfolge so zu regeln, dass der Nachlass im Todesfall tatsächlich im Sinne des Verstorbenen verteilt wird. Auf der anderen Seite lauern aber auch so viele Fallen, von denen nur einige in diesem Artikel angerissen werden konnten. Zudem ist jeder Einzelfall abhängig von den persönlichen, familiären und finanziellen Verhältnissen. Grundsätzlich gilt: Je komplexer diese sind und je größer das vorhandene Vermögen ist, umso mehr lohnt sich bei der Nachlassplanung die Hinzuziehung eines Experten.