Weltbild im September 2019

Faszinierend, beständig und krisensicher – Gold

„Nach Golde drängt,
am Golde hängt doch alles.
Ach, wir Armen!“

Gretchen in Goethes „Faust“, 1808

Seit Jahrtausenden fasziniert das glänzende Metall die Menschheit. In der Antike als Grabbeigabe für Könige und Pharaonen, als „Währung“ für Tauschgeschäfte und im Mittelalter als ein Zeichen der Macht. Die Insignien dieser Macht – Krone oder Zepter – waren durchweg aus Gold gefertigt. Auch heute hat Gold nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Nicht umsonst erhält der Gewinner bei internationalen Sportwettkämpfen eine Goldmedaille – ein Zeichen der Dominanz.

Kurz und knapp:

  • Gold fasziniert seit Jahrtausenden die Menschheit, bis heute hat es nichts von seiner Anziehungskraft verloren.
  • Mit dem Goldstandard und dem Abkommen von Bretton Woods versuchte man, den Goldpreis zu „regulieren“ – auf lange Sicht vergeblich.
  • Finanz- und Schuldenkrise führten zu einer Flucht in Sicherheit, die Krisenwährung Gold erreichte im August 2011 ein Rekordhoch bei knapp unter 2.000 US-Dollar.
  • Gerade in Zeiten negativer Realzinsen bleibt das nicht verzinste Gold gefragt.
  • Vor allem Schwellenländer dürften ihre Währungsreserven weiter in Gold umschichten.
  • Gold hat seinen Platz in einem breit aufgestellten Vermögen gefunden und eine absolute Daseinsberechtigung, auf die Gewichtung kommt es an.

Erster Versuch: Goldstandard
Was übt eine solche Faszination aus? In erster Linie sicher sein Glanz, ein „Sonnenmetall“. Gold rostet zudem nicht und wird dadurch als wertbeständige Anlage von seinen Käufern sehr geschätzt. Geldanlagen in Gold waren lange Zeit auf den Kauf von Münzen und Barren begrenzt. Gerade Goldmünzen – die bekanntesten sind der kanadische Maple Leaf und der südafrikanische Krügerrand – waren beliebte Geschenke zur Taufe, Kommunion oder Konfirmation. Nachteil dieser Investments waren neben einem höheren Anschaffungspreis im Vergleich zur börsengehandelten Feinunze Gold die Kosten für die Eigenverwahrung und Versicherung. Zudem war der Goldpreis lange Zeit durch den Goldstandard „reguliert“. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es einen festen Umtauschkurs zum US-Dollar. Nach dem ersten Weltkrieg wurde das System jedoch instabil, zu unterschiedlich waren die wirtschaftliche Entwicklung und die Verschuldung der Staaten. Damit wurde der Goldstandard gefährdet. Auch in Deutschland wurde immer mehr Geld gedruckt, welches nicht durch Reichsbankgold gedeckt war.

Zweiter Versuch: Bretton Woods
Nach dem zweiten Weltkrieg startete man einen zweiten Anlauf: 1944 wurde im Vertrag von Bretton Woods wieder ein fester Referenzkurs des Goldes zum US-Dollar festgelegt, er betrug 35 US-Dollar pro Unze. Die amerikanische FED verpflichtete sich, zu diesem Kurs unbegrenzt Gold zu handeln. Die positiven Effekte dieses Vertrages waren eine Neuordnung und Stabilisierung der Weltwirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg. Immer mehr traten jedoch Konstruktionsfehler dieses Abkommens zutage, was 1973 zum Zusammenbruch dieser Vereinbarung führte: Das „Trilemma“ zwischen einer autonomen Geldpolitik und einem freien internationalen Kapitalverkehr auf der einen Seite und fixen Wechselkursen auf der anderen Seite. Es war letztlich der am freien Markt gehandelte Goldpreis, der den Druck erhöhte. Zwischen 1970 und 1973 hat sich der Preis nahezu verdreifacht. Die Notenbanken waren nicht mehr in der Lage, zunehmende Ungleichgewichte durch Devisenmarktinterventionen zu korrigieren. Der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Abkommens führte letztlich zur völligen Freigabe der Wechselkurse.

Was folgte, war der Boom
Ein anschließender Boom, in dem sich der Goldpreis nahezu versechsfachte, endete Anfang der achtziger Jahre. In der darauffolgenden Zeit bis Mitte der 2000er Jahre verlief die Goldpreisentwicklung eher seitwärts, ehe ein neuer Boom einsetzte. Neue börsengehandelte Instrumente, deren Wert mit physischem Gold hinterlegt werden mussten, machten den Kauf einfacher und kostengünstiger. Zudem profitierte das Gold in der Finanzkrise 2008/2009 und der Schuldenkrise in Europa 2011 von einer Flucht in Sicherheit – der Preis pro Feinunze erreichte fast 2.000 US-Dollar. Auch die Zentralbanken haben ihre Goldbestände seit der Finanzkrise deutlich aufgestockt. Waren sie bis dahin Verkäufer von Gold, haben sie seit 2009 ihre Goldbestände um 14 Prozent erhöht. Vor allem viele Schwellenländer haben einen Teil ihrer Währungsreserven in Gold umgeschichtet. Auch die Nachfrage der Investoren ist in den letzten Monaten deutlich angestiegen. Ende August lagen die durch ETFs gehaltenen Goldbestände auf dem höchsten Stand seit Ende 2012. Aktuell halten alle Gold-ETFs 2,7 Tonnen Gold im Wert von 134 Milliarden US-Dollar – allein die drei größten von ihnen machen rund 51 Prozent der gesamten ETF-Bestände aus.

Auch in Zukunft gefragt
Und was spricht aus heutiger Sicht für ein Investment in Gold? Auf den ersten Blick betrachtet: erstmal nichts. Gold zahlt keine Zinsen und Dividenden, die Aufbewahrung ist aufwändig und kostet Geld. Aber etwas genauer hingeschaut gibt es dennoch genug Gründe: Gerade in Zeiten extrem tiefer und negativer Renditen, die durch die Inflation zusätzlich belastet werden, und Strafzinsen auf Kontoguthaben ist das nicht verzinste Gold wieder attraktiv. Zudem ist Gold ein guter Schutz gegen eine Abwertung des US-Dollar. Auch zu anderen Anlageklassen ist Gold nur gering bzw. gar nicht korreliert. Am derzeitigen positiven Umfeld für Gold dürfte sich in den nächsten Jahren wenig ändern. Die Notenbanken sind in ihrer Geldpolitik wieder deutlich expansiver. Gerade hat die Europäische Zentralbank noch einmal betont, dass die rekordtiefen Zinsen noch einige Jahre Bestand haben werden. Auch dürfte der Trend, dass Länder ihre Währungsreserven stärker in Gold diversifizieren, gerade in Schwellenländern weiter anhalten.

Fazit: Gut gewichtet hat Gold im Portfolio seine absolute Daseinsberechtigung
Das Gold hat sich in den vergangenen Krisen als eine gute Versicherung erwiesen, in sehr guten Aktienmarktphasen jedoch auch meist eine deutlich schlechtere oder sogar negative Rendite erwirtschaftet. Dessen sollten sich Anleger immer bewusst sein. In einem breit aufgestellten Vermögen hat das faszinierende Edelmetall aber seinen Platz gefunden und eine absolute Daseinsberechtigung. Allerdings wie bei jeder Anlageklasse heißt es: nur nicht übertreiben. Eine zu starke Konzentration auf Gold kann sich auch als schädlich erweisen. Sonst geht es einem wie dem König Midas aus der griechischen Mythologie: Sein Wunsch, dass sich alles in Gold verwandeln solle, was er berühre, hat ihn fast verhungern und verdursten lassen.