Wochenklänge

„Hope of Deliverance”

Paul McCartney, 1993

Paul McCartney – für viele der „Gott der Popmusik“. Mit den Beatles hat er Musikgeschichte geschrieben, sie gilt als die einflussreichste Band des 20. Jahrhunderts. Nach der Trennung 1970 gründete McCartney die Band „The Wings“, seit den 80er Jahren ist er größtenteils solo aktiv. Bis heute veröffentlichte er dreißig Alben, die aus kommerzieller Sicht durchaus erfolgreich waren, bei Kritikern jedoch nur mäßig ankamen. Seine Songs hatten nie die Qualität der Beatles, es fehlte wohl die kongeniale Partnerschaft, aber auch Rivalität mit John Lennon. 1993 veröffentliche er im Album „Off the Ground“ den Song „Hope of Deliverance“, Hoffnung auf Erlösung.

The Beatles – Ein musikalischer Siegeszug
1957 schloss sich Paul McCartney der Schülerband von John Lennon an, den er kurz zuvor kennen gelernt hatte, ein Jahr später stieß George Harrison hinzu. 1962 wurde der Schlagzeuger Pete Best durch Ringo Starr ersetzt – die „Fab Four“ waren komplett und starteten ihren unvergleichlichen Siegeszug (der „fünfte“ Beatle Stuart Sutcliffe schied bereits 1961 aus und verstarb ein Jahr später). Nach großen Erfolgen in Europa überrollte die „Beatlemania“ auch die USA, in dem bis dahin lediglich US-Musiker des Rock’n’Roll, Country und R&B den Markt dominierten. Die „Beatles“ ebneten auch anderen britischen Bands wie „The Who“ und den „Rolling Stones“ den Weg auf den amerikanischen Musikmarkt. Bis zu ihrer Trennung im April 1970 haben sich die Beatles musikalisch enorm entwickelt, von Songs mit der Aussage „Ich-Du-Liebe“ hin zu komplexen Songs, Arrangements und dem wohl bedeutendsten Konzeptalbum der 60er Jahre, „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“.

„We live in hope of deliverance
from the darkness that surrounds us“

In Zeiten zunehmender Dunkelheit und deutlicher Eintrübung der Weltkonjunktur werden die Kapitalmärkte seit Monaten von der „Hoffnung auf Erlösung“ am Leben gehalten. Noch immer schwelt der seit Monaten andauernde Handelsstreit zwischen den USA und China mit dem Risiko der Verschärfung der Strafzölle Mitte Dezember. Hinzu kommt der drohende No-Deal-Brexit Ende Oktober. Dazu der Konflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien, die vor einigen Tagen erfolgte türkische Invasion im Nordosten Syriens nach dem Abzug der US-Soldaten sowie ein drohendes Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump. Früher wäre jeder dieser Punkte allein in der Lage gewesen, die Investoren nervös zu machen. Aber die Kapitalmärkte leben in der Hoffnung auf Erlösung: Erlösung durch die Zentralbanken, die weiter billiges Geld zur Verfügung stellen und Erlösung in Form einer Lösung der zahlreichen Probleme.

„When it will be right, I don't know
What it will be like, I don't know“

Wann es soweit sein und wie die Lösungen aussehen werden – wissen kann es keiner. Auch wenn es in der vergangenen Woche keine Erlösung gab – zumindest aber gab es Entspannung. Die USA und China haben sich in Verhandlungen auf einen „Waffenstillstand“ geeinigt, die für Mitte Oktober geplante Erhöhung der bisherigen Strafzölle um fünf Prozentpunkte wird ausgesetzt. China hat sich im Gegenzug verpflichtet, für bis zu 50 Milliarden US-Dollar Agrarprodukte in den USA zu kaufen, größtenteils Soja und Schweinefleisch. Für Trump war das – in seiner typischen Bescheidenheit – der größte Deal aller Zeiten zum Vorteil der US-Farmer. Aber anders als von Trump dargestellt, sind die Agrarexporte nach China kein Zugeständnis von chinesischer Seite, sondern absolut notwendig. Seit Sommer vergangenen Jahres wütet in China die afrikanische Schweinepest. Die Schweinepopulation hat sich im Reich der Mitte seitdem nahezu halbiert, die Preise sind um fast 50 Prozent gestiegen. Schweinefleisch ist in China Grundnahrungsmittel und die Regierung bemüht sich nun, durch erhöhte Importe von Schweinefleisch die Knappheit zu lindern und die Preise wieder zu drücken.

Auch an der Brexit-Front, die bislang absolut verhärtet schien, kam es zu Bewegung: nach einem Treffen von Premierminister Johnson mit seinem irischen Amtskollegen gab es neue Lösungsvorschläge in der Grenzfrage Irlands. Der Lösungsvorschlag, der anschließend der Europäischen Union präsentiert wurde, stößt allerdings weiterhin auf Skepsis in Brüssel.

An beiden Fronten also noch keine Erlösung, allenfalls leichte Entspannung: das allein hat aber schon ausgereicht, dass die Aktienmärkte vor dem Wochenende wahre Freudensprünge vollzogen. Vor allem die europäischen Indizes schlossen die Woche mit bis zu vier Prozent im Plus ab.

Fazit:
Entspannung: ja – Erlösung: leider nein. Weiterhin haben die zwischen den USA und China bereits gegenseitig eingeführten Strafzölle Bestand. Es wurde lediglich ein Waffenstillstand vereinbart, der eine weitere Eskalation erst einmal verhindert. An der Grundproblematik aber hat sich nichts geändert: China strebt wirtschaftlich, technologisch und militärisch die Weltspitze an und die USA versuchen das zu verhindern. Und auch beim Brexit ist trotz Bewegung in der vergangenen Woche noch nichts geklärt. Es bleibt den Investoren nichts anderes übrig als weiterhin zu hoffen – hoffen auf die Erlösung.

14. Oktober 2019 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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