Wochenklänge

„Beds are burning“

Midnight Oil, 1987

Es ist ein Protestsong gegen die gewaltsame Vertreibung eines Aborigines-Stamms in Australien in den 1950er und 1960er Jahren, verbunden mit der Forderung nach Rückgabe von Land. Veröffentlicht hat das Lied die australische Rockband „Midnight Oil“ 1987 auf ihrem bereits sechsten Album „Diesel and Dust“. Es waren das mit Abstand erfolgreichste Album und der bis heute bekannteste Song der bereits 1976 gegründeten Band. 2009 nahmen einige Musiker den Song neu auf, darunter Bob Geldorf und Simon Le Bon von „Duran Duran“. Die Aussage diesmal: Protest gegen die klimaschädliche Politik vieler Länder.

„The time has come
A fact's a fact
The heat is on
No turning back“

Heute, gut zehn Jahre nach erneuter Veröffentlichung als Protestsong gegen die Klimapolitik, bekommt der Song eine beängstigende Aktualität: Australiens Segen wird zum Fluch, die globale Erwärmung führt zu extremen Dürrephasen. Große Landstriche stehen in Flammen, die Brände sind kaum unter Kontrolle zu bekommen. Die Feuer sind teils so groß, dass sie ihr eigenes Wetter produzieren.

„How can we dance when our earth is turning
How do we sleep while our beds are burning“

In der Vergangenheit war Australien ein „Lucky Country“. Sowohl die Rezession in vielen Ländern der Welt Anfang der 2000er Jahre als auch nach der Finanzkrise 2008/2009 ging an Australien vorüber. Seit 1991 befindet sich die australische Wirtschaft auf Wachstumskurs – Weltrekord. Grund war unter anderem der Rohstoffhunger vor allem Chinas, den Australien mit riesigen Vorkommen an Kohle, Erz und Kupfer stillen konnte. Heute ist Australien einer der größten Exporteure von Kohle, dem fossilen Klimakiller Nummer eins.

Allerdings leidet aktuell kein anderes Industrieland stärker unter der globalen Erwärmung als Australien: Extremtemperaturen, Buschbrände, Korallenbleiche. Die volkswirtschaftlichen Gesamtschäden können nach Expertenmeinung ins astronomische steigen. Die Entwicklung in Australien kann einen Vorgeschmack dessen sein, was bei einem ungebremsten Klimawandel auch anderen Regionen der Welt drohen kann. Dennoch halten der australische Premierminister Scott Morrison und eine kleine Gruppe konservativer Klimaleugner an der Stromerzeugung durch Kohle fest, obwohl nach Meinung von Experten Australien seinen gesamten Strombedarf durch Wind- und Solarkraftwerke decken könnte. Aktuell erzeugt Australien 70 Prozent seines Stroms durch die Verbrennung von Kohle und ist damit pro Kopf einer der größten Verursacher schädlicher Treibhausgase der Welt. Man plant sogar den Bau neuer Kohlekraftwerke und Erschließung neuer Kohleminen.

Aber auch in anderer Hinsicht kann Australien als Blaupause dienen, denn es regt sich lautstarker Protest in der Bevölkerung. Die Menschen akzeptieren nicht mehr, dass die Umwelt ohne Rücksicht geschädigt wird. Das spürt nicht nur die australische Regierung, die Auswirkungen reichen rund um den Globus. Dies spürt auch der deutsche Industriekonzern Siemens, der Bahntechnik für ein neues Kohlebergwerk nach Australien liefern soll. Es handelt sich bei dem Auftrag nur um ein Volumen von 18 Millionen Euro und lediglich um Signaltechnik für die Bahnstrecke von der Kohlemine zum Hafen. Dennoch wird Siemens für die Vorstandsentscheidung, an dem Auftrag festzuhalten, heftig kritisiert, australische Umweltschutzverbände werfen Siemens eine „inhaltsleere und bedeutungslose“ Klimawandel-Strategie vor. Auch deutsche Klimaschützer protestieren heftig und kündigen für die Siemens-Hauptversammlung Anfang Februar Demonstrationen an.

Ein Trend ist jedoch klar erkennbar: Die Risiken durch den Klimawandel werden von den Unternehmen immer ernster genommen. Die jährliche Umfrage des Allianz-Industrieversicherers AGCS zeigt, dass bereits 17 Prozent der weltweit befragten Firmen dies als Gefahr sehen, vor acht Jahren waren es nur drei Prozent. Dabei geht es nicht nur um direkte Kosten aufgrund von Schäden durch Extremwetter, es geht auch um Reputationsschäden aufgrund einer klimaschädlichen Geschäftspolitik. Einen Reputationsschaden, wie ihn Siemens dieser Tage erlebt.

„The time has come“
Der gesellschaftliche Druck nimmt zu, auf Unternehmen wie auf Staaten gleichermaßen. Gerade Unternehmen sind gut beraten, eine glaubhafte Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen und lieber einmal KEIN Geschäft zu machen als ein schlechtes. Sonst wenden sich die Investoren ab. Gerade Investoren, die in nachhaltige Unternehmen investieren wollen (und deren Anteil nimmt ständig zu) verlangen Transparenz und Konsequenz. Und kein Unternehmen der Welt kann es sich erlauben, Investoren zu verprellen.

13. Januar 2020 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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