Wochenklänge

„Thank God it’s Christmas“

Queen, 1984

Über die britische Band Queen muss man nicht mehr wirklich viel schreiben – eine DER wegweisenden und stilprägenden Rockbands der 70er und 80er Jahre. 1984 befand sich Queen auf ausgedehnter Welttournee, ihr zuletzt erschienenes Studioalbum „The Works“ enthielt die Hits „Radio Ga Ga“, „It’s a hard life“ und „I want to break free“. Die geplante Erholung in der Tour-Pause ab Oktober fiel aus. Die Band nahm stattdessen die Weihnachtssingle „Thank God it’s Christmas“ auf, die Ende November erschien. Kommerziell zwar recht erfolgreich, wurde der Song aber nicht zu dem viel beachteten „Weihnachts-Nummer-Eins-Hit“ in Großbritannien. Dieser Titel gehörte stattdessen dem Song „Do they know it’s Christmas“ von Band Aid, ein Benefizlied zur Bekämpfung der Hungersnot in Äthiopien, initiiert von Bob Geldorf.

„Thank God it’s Christmas“
Dies dachten sich auch viele Börsianer, die in der abgelaufenen Woche eine vorzeitige Bescherung erlebten. Ausgepackt wurden eine deutliche Parlamentsmehrheit im britischen Unterhaus für die konservative Partei von Boris Johnson sowie eine angekündigte Reduzierung bereits verhängter Strafzölle nach der Einigung auf ein erstes Teilabkommen zwischen den USA und China.

„We've had our hopes and fears
It's been a long hard year“

Auch wenn die Kapitalmärkte das Jahr 2019 als das beste seit 2013 abschließen werden – die Nerven der Investoren wurden im Jahresverlauf deutlich strapaziert, Hoffnungen immer wieder enttäuscht, Ängste geschürt. Das Theater um den Brexit mit zweimaliger Verschiebung, die Zuspitzung im Handelsstreit mit mehrmaliger Ausweitung der Strafzölle – beides hat deutliche Bremsspuren in der Weltkonjunktur hinterlassen. Zum Ende des Jahres allerdings mehrten sich die Anzeichen, dass die Hoffnungen nicht erneut enttäuscht würden. Boris Johnson hat bei der Parlamentswahl das beste Ergebnis für die konservative Partei seit 40 Jahren und eine deutliche absolute Mehrheit im Unterhaus erzielt. Damit scheint sicher, dass Großbritannien zum 31. Januar geregelt aus der Europäischen Union ausscheidet. China und die USA haben sich auf ein erstes Zwischenabkommen geeinigt, nahezu in letzter Minute, bevor eine erneute Zollerhöhungsrunde wirksam geworden wäre. Es werden sogar bisher erhobene Zölle teilweise reduziert.

„We live in troubled days“
Die politischen Ereignisse der vergangenen Tage markieren dennoch nur Zwischenschritte auf dem Weg zu endgültigen Lösungen. Großbritannien muss nach dem Austritt diverse Abkommen mit der Europäischen Union verhandeln. Und auch im Streit zwischen den beiden Wirtschafts-Supermächten stehen weitere Verhandlungen mit Konfliktpotential für das nächste Jahr auf der politischen Agenda. Die vielfach erwartete leichte konjunkturelle Erholung dürfte im Wesentlichen von der weiteren politischen Entwicklung abhängen und die sehr gute Performance der globalen Aktienmärkte in diesem Jahr ist ein sehr großer Vertrauensvorschuss auf weitere Fortschritte und Lösungen.

„Yes yes yes yes it's Christmas
Thank God it's Christmas“

Aber jetzt kann man sich als Aktienanleger erst einmal über das vorgezogene Weihnachtsgeschenk und ein paar erholsame Feiertage im Kreise der Familie freuen. Damit verabschieden sich auch die Wochenklänge mit einem letzten positiven Songbeitrag in den Weihnachtsurlaub. Freuen Sie sich mit mir gemeinsam auf spannende Themen, bekannte und weniger bekannte Songs, im Jahr 2020.

Bis dahin wünsche ich Ihnen mit den Worten des unvergessenen Freddy Mercury:
„Christmas, a very merry Christmas to you all“

16. Dezember 2019 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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