Wochenklänge

„Heal the World“

Michael Jackson, 1992

Michael Jackson gilt als einer der erfolgreichsten Künstler aller Zeiten. Schon als Kind mit seinen Geschwistern als „Jackson 5“ erfolgreich, startete er mit seinem Produzenten Quincy Jones 1979 auch als Solokünstler durch. Absoluter Meilenstein war 1982 „Thriller“, bis heute das meistverkaufte Album. Den Grund dafür nannte der Produzent Jones knapp 20 Jahre später: Verschiedene Stile wie Soul, Beat, Balladen, tanzbare und rockige Nummern auf einem Album befriedigten den Geschmack vieler. Und dieses Album änderte alles: Afroamerikanische Musik war im besten Sinne „farblos“. Der Musiksender MTV, der sich als Sender für „weiße“ Rockmusik sah und lange Zeit keine andere Musik spielte, musste dem Druck nachgeben und spielte als ersten Song eines afroamerikanischen Künstlers die Single-Auskopplung „Beat it“. In den Folgejahren war Jackson weiterhin erfolgreich, bis ein Kinderschänder-Prozess, die ständigen Bankrott-Gerüchte und seine umfangreichen Schönheitsoperationen zu einem sturzartigen Popularitätsverlust führten. Dennoch ist er bis heute der „King of Pop“. Die Single „Heal the World“ erschien 1992 auf dem Album „Dangerous“. Im Juni 2009 starb Jackson an einem giftigen Cocktail diverser Medikamente.

„Heal the world
Make it a better place
For you and for me
And the entire human race“

Mach die Welt zu einem besseren Platz – für Dich, für mich und für die gesamte Menschheit. Angesichts der verheerenden Waldbrände in Kalifornien sowie Rekord-Eisschmelzen in Arktis und Antarktis mit Auswirkungen auf das Weltklima eine seit langem erhobene Forderung. Und die Politik – zumindest in Teilen der Welt – hat die Notwendigkeit erkannt. Die Europäische Kommission will mit dem „Green Deal“ bis 2050 zum klimaneutralen Kontinent werden. Im Falle eines Wahlsieges will Joe Biden die USA ähnlich umbauen und massiv in erneuerbare Energien investieren. Und selbst der chinesische Präsident Xi Jingping hat in der vorigen Woche die Klimaneutralität bis 2060 versprochen – und das, wo China heute noch den höchsten Anteil am weltweiten Ausstoß von schädlichen Treibhausgasen hat.

Die Politik verspricht also vieles, und diesem Versprechen folgen die Investoren. Nach einer aktuellen Statistik des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) haben Investments in nachhaltige Fonds allein in Deutschland Ende Juni die Marke von 100 Milliarden Euro geknackt. Die Mittelzuflüsse lagen im ersten Halbjahr 2020 bei 7,6 Milliarden Euro, mehr als das Anderthalbfache der Vorjahresperiode. Das Geld floss zudem ausschließlich in Publikumsfonds – Fonds also, in die Privatanleger investieren. Im gleichen Zeitraum wurden drei Milliarden Euro aus nicht-nachhaltigen Fonds abgezogen. Und das „gute Gewissen“, welches Investoren in nachhaltige Fonds mit den Kriterien Umweltschutz („Environment“), soziale Verantwortung („Social“) und gute Unternehmensführung („Governance“), kurz „ESG“, treibt, wird mit attraktiven Renditen belohnt. Denn in den Branchen, die nachhaltig wirtschaften und Technologien zum Umweltschutz anbieten, locken auch durch die massiven staatlichen Investitionen hohe Wachstumsraten und Gewinne. Bereits jetzt liegen an der Börse Unternehmen aus diesen Bereichen deutlich vor den Unternehmen aus der „Old Economy“, vor allem den Ölwerten. Weltweit konnten die Aktien aus dem Bereich „Saubere Energie“ seit Beginn des Jahres um knapp 40 Prozent zulegen, während Ölunternehmen im gleichen Zeitraum über 40 Prozent Kursverluste hinnehmen mussten.

Es ist ein langfristiger Trend, auch weil sich immer mehr die Erkenntnis durchsetzt, dass sich Ethik und Nachhaltigkeit auf der einen Seite und Wirtschaftlichkeit auf der anderen Seite eben nicht ausschließen. Im Gegenteil: Investoren sind sensibilisiert und halten sich bei Unternehmen mit eher zweifelhaften Geschäftsmodellen zurück. Und es ist sicher an der Zeit, dass Investoren den Begriff „Rendite“ überdenken, für sich neu definieren. Eine Kapitalrendite ist unerlässlich für Risikoinvestments. Ohne Rendite ist kein Investor bereit, entsprechende Risiken einzugehen. Aber „Rendite“ sollte etwas weiter gefasst werden, ergänzt um eine ökologische und soziale „Rendite“. In Euro und Cent nicht direkt messbar, aber die Auswirkungen solcher Investments – sei es durch Vermeidung von „Schlechtem“ oder der Förderung von „Gutem“, dem sogenannten „Impact“ – sind in jedem Fall spürbar. Und am Ende des Tages lässt sich dann vielleicht doch diese ökologische und soziale „Rendite“ messbar machen. Denn Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und Zukunftstechnologien anbieten, werden gegenüber anderen, nicht-nachhaltigen Unternehmen weiter bevorzugt, womit eine bessere Kursentwicklung an der Börse zu erwarten ist.

„We could really get there
If you cared enough for the living“

Die Politik geht das Thema nun ernsthaft an – bleibt zu hoffen, dass die Versprechungen und Investitionsankündigungen auch tatsächlich so umgesetzt werden. Und wenn wir als Investoren diesem Trend folgen und Kapital vermehrt in nachhaltige Unternehmen investieren, können wir die ehrgeizigen Klimaziele immer noch erreichen und darüber hinaus eine Rendite erwirtschaften – eine monetäre, ökologische und soziale.

28. September 2020 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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