Wochenklänge

„Darkest Hour is just before Dawn”

Emmylou Harris, 1980

Rock , Pop, Punk und New Wave – in meinen Wochenklängen habe ich schon viele Genres der Musik behandelt. Heute wende ich mich nun erstmals der amerikanischen Country-Musik zu. Nicht jedermanns Geschmack, aber auch hier gibt es großartige Songs und herausragende Musikerinnen und Musiker. So auch der Song aus dem Jahr 1980 „Darkest Hour is just before Dawn” von einem echten „Southern Girl“ namens Emmylou Harris. Das Original wurde 20 Jahre zuvor von den Stanley Brothers aufgenommen.

Eine Ikone der Country-Musik
Emmylou Harris gehört zweifelsohne zu der Kategorie herausragende Country-Musikerin. 1947 in Birmingham, Alabama geboren und aufgewachsen in North Carolina und Virginia, ist sie ein echtes „Southern-Girl“ und damit musikalisch früh mit der Country-Musik vertraut. Ihre Anfänge als Folk-Sängerin Ende der 60er Jahre waren von wenig Erfolg gekrönt. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Gram Parsons hat sie sich dann der Country-Musik gewidmet. Der Stil galt zu dieser Zeit noch als erzkonservativ, aber das Duo machte Country bald auch in der Hippie-Szene gesellschaftsfähig. Harris‘ Songs sind Country-Klassiker, sie hat sich nie den Stil der reaktionären Redneck-Songs angeeignet. Sie arbeitete unter anderem mit Johnny Cash, Bob Dylan, Neil Young und John Denver. Ihre Stimme und ihre Schönheit sind legendär, 47 Grammy-Nominierungen und 13 Grammy-Awards sowie achtmal Gold-Status für ihre Platten zeugen bis heute von der Qualität und Zeitlosigkeit ihrer Musik.

„Darkest Hour is just before Dawn”
„Die Nacht ist am dunkelsten vor dem Tag“ – in den vergangenen Wochen haben Sie an dieser Stelle viel über politische Instabilität und zahlreiche Risiken für die Kapitalmärkte gelesen. Auch wenn es jetzt sicher noch verfrüht ist, bereits die Trendwende auszurufen, zarte Anzeichen einer Stabilisierung sind erkennbar. Vor allem in der zuletzt deutlich gebeutelten deutschen Industrie scheint der starke Abwärtstrend zunächst gestoppt. Kennzahlen wie der Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Sektor, das Ifo-Geschäftsklima oder die ZEW-Konjunkturerwartungen konnten sich teilweise schon wieder erholen. Eine erste Vereinbarung zwischen den USA und China hat eine unmittelbar bevorstehende Erhöhung der Strafzölle verhindert. Auch in den Brexit ist – allerdings mit weiterhin ungewissem Ausgang – Bewegung gekommen. Das Risiko eines unmittelbar bevorstehen ungeregelten Austritts der Briten aus der Europäischen Union scheint fürs Erste gebannt. Stabilisierungssignale kamen auch von Unternehmensseite. Die Quartalszahlen beispielsweise von Daimler, BASF und dem Gabelstaplerhersteller Kion konnten positiv überraschen, nachdem allerdings zuvor die Erwartungen der Unternehmen selbst wie auch der Analysten teils deutlich reduziert wurden.

„Still darkness falls around us
And we must journey on“

„Auch wenn die Dunkelheit über uns hereinbricht – wir müssen weiter gehen“. Immer weiter nach oben gelaufen sind auch die Aktienmärkte, ungeachtet einer deutlichen Konjunktureintrübung. Entspannungssignale von der politischen Front in Kombination mit der Aussicht auf eine weiterhin sehr lockere Geldpolitik der Notenbanken drängen die immer noch bestehenden Risiken in den Hintergrund. Zwar hat es im Handelskrieg eine Annäherung gegeben, aber noch immer werden chinesische Importe im Volumen von 250 Milliarden US-Dollar von den USA mit 25 Prozent Strafzoll belegt. Und die Ausweitung, wie sie Trump per Mitte Dezember in Aussicht gestellt hat, ist ebenfalls noch nicht vom Tisch. Und auch wenn aktuell das Risiko eines No-Deal-Brexit geringer geworden ist, ganz verschwunden ist es nicht. Und dann wäre da noch der Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union: Am 13. November entscheidet Trump über Strafzölle auf Autoimporte aus der EU. Aber aller Dunkelheit zum Trotz, die Investoren an der Börse wähnen sich dem Morgengrauen aktuell scheinbar näher als die Ökonomen.

Fazit:
Der deutsche Schlager wird häufig als Pendant zur amerikanischen Country-Musik gesehen. Einer der ganz Großen des Schlagers – Udo Jürgens – hat bereits 1967 gesungen: „Ja, immer, immer wieder geht die Sonne auf, denn Dunkelheit für immer gibt es nicht“. Aktienkurse antizipieren zukünftige Entwicklungen und Erwartungen und preisen den kommenden Sonnenaufgang ein. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass mit über 20 Prozent Kursgewinn in den großen Indizes seit Jahresanfang schon vieles an Vorschuss enthalten ist. Wir kennen mittlerweile die impulsive Politik der Hauptprotagonisten Trump und Johnson, das Risiko für Rückschläge ist unverändert hoch. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Allerdings ist die Gefahr, dass sie durch den nächsten Sturm entwurzelt werden, etwas geringer geworden.

28. Oktober 2019 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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