Wochenklänge

„Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz?“

Janis Joplin, 1970

Am 01. Oktober 1970 nahm Janis Joplin diesen Song auf – ihren letzten. Vier Tage später war sie tot. Mit nur 27 Jahren, gestorben an einer Überdosis Heroin. Der Song war als Gesellschaftskritik gedacht. Besitzstreben und Statussymbole würden kein Glück bringen, so der Tenor. Janis Joplin war neben Jimi Hendrix und Jim Morrison von „The Doors“ – die beide übrigens auch mit nur 27 Jahren starben - eine Hauptsymbolfigur der Hippie-Ära. Ihre charakteristische Stimme und ihr teilweise hemmungsloser Gesangsstil brachten ihr schnell den Ruf als „Queen des weißen Bluesrock“ ein.

„My friends all drive Porsches“
Joplin selbst beklagt sich im Song ebenfalls, dass ihre Freunde alle Porsche fahren und sie irgendwie mithalten müsste: So fuhr sie dann privat auch einen Porsche 356 Cabrio, handbemalt im Hippie-Stil. Nachdem der Wagen 20 Jahre in der „Rock and Roll Hall of Fame“ ausgestellt war, wurde er 2015 für die stolze Summe von 1,76 Millionen US-Dollar versteigert.

„I must make amends“
„Ich muss dagegenhalten“ – das denken sich auch viele zu Wohlstand gekommene Chinesen. Und den wollen sie zeigen und schmücken sich gern mit Autos mit dem Stern und anderen deutschen Premiummarken. Entgegen dem allgemeinen Trend konnten Mercedes, Audi und BMW im vergangenen Jahr in einem leicht schwächelnden chinesischen Automarkt ihre Absätze teils deutlich steigern. Mit etwas Verzögerung haben sich dann ihre Absätze in den ersten Monaten des laufenden Jahres allerdings auch abgeschwächt.

Daimler ist nicht nur bei seinen Fahrzeugen begehrt, Chinesen finden auch Gefallen an einem Investment in die Aktie der Stuttgarter: Bereits im Februar 2018 hat sich der chinesische Milliardär Li Shifu, Eigentümer der Volvo-Gruppe Geely, mit knapp zehn Prozent an Daimler beteiligt. Entstanden ist ein Joint Venture für die nächste Generation des Kleinwagens Smart. Vor einer Woche hat zudem der staatlich kontrollierte chinesische Autokonzern BAIC seine Beteiligung auf fünf Prozent aufgestockt. Anders als bei BMW und VW gibt es bei Daimler keine Familien als Großaktionäre, das Grundkapital des schwäbischen Autobauers ist international breit gestreut. Da sind strategische Investoren wichtig. Mit BAIC, die seit 2013 an Daimler beteiligt sind, ist die Kooperation sehr eng. Daimler wiederum ist mit knapp zehn Prozent an BAIC beteiligt. Man betreibt ein gemeinsames Forschungszentrum in Peking – das größte außerhalb Deutschlands. Daimler bindet sich damit noch enger an den größten Automarkt der Welt. Bereits jetzt fertigt Daimler in China mehr PKW als an jedem anderen Produktionsstandort.

Der rasante wirtschaftliche Aufstieg Chinas hat die Machtverhältnisse in der Weltwirtschaft längst verschoben und wird es weiter tun. Unternehmen sind deshalb gut beraten, sich im bald größten Wirtschaftsraum der Welt gut zu positionieren statt sich abzuschotten. Ansonsten drohen die bisherigen Industrieländer zur verlängerten Werkbank der Chinesen zu werden. China ist – auch wenn man intensiv an einer eigenen Innovationsstrategie arbeitet – weiterhin auf das Know-how der Unternehmen aus den Industrieländern angewiesen. Wir kennen das aus der Vergangenheit: oft genug hat China dieses Wissen geklaut und kopiert oder die entsprechenden Unternehmen direkt gekauft. Die Übernahme der Augsburger Robotics-Firma Kuka ist dafür ein gutes Beispiel.

Fazit
Kooperation statt Konfrontation – diese Strategie verfolgt der Stuttgarter Autobauer Daimler. Diesen Rat mag man auch den Verhandlungspartnern aus den USA, die sich diese Woche wieder zu Handelsgesprächen nach Peking aufmachen, gerne mit auf den Weg geben. Ansonsten steht man schnell als Verlierer dar.

29. Juli 2019 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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