Wochenklänge

„Gimme Shelter"

The Rolling Stones, 1969

„Gimme Shelter“ erschien 1969 auf dem achten Album der Stones „Let it bleed“. Der Song beschreibt die Suche nach Schutz in einer bedrohlichen, nahezu apokalyptischen Krise. In einem Interview 1995 sprach Mick Jagger von einer damaligen rauen, gewalttätigen Ära, der Song sei eine Art „Ende-der-Welt-Lied“. Er gilt unter Kritikern als das beste Werk der Stones in ihrer über 50-jährigen Bandgeschichte und als einer der besten Songs überhaupt. Für mich persönlich ist die gesamte Platte, neben „Exile on Main Street“ drei Jahre später, das beste Album der Stones. Ich war in den 1990er und 2000er Jahren oft auf Konzerten der Stones und „Gimme Shelter“ war immer ein absolutes Highlight.

„Oh, a storm is threat'ning
My very life today
If I don't get some shelter
Oh yeah, I'm gonna fade away“

Ein Sturm bedroht uns und unser aller Leben und Gesundheit. Stand heute früh 8 Uhr verzeichnet die Johns Hopkins Universität 723.700 bestätigte Corona-Infektionen weltweit. Nachdem sich die Pandemie zunächst in China, dann in Europa und hier vor allem in Italien und Spanien, verbreitet hat, ist nun die USA mit über 143.000 Infizierten und einer stark steigenden Zahl an bestätigten Infektionen der aktuelle Brennpunkt.

Zum Schutz vor diesem Sturm wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Wir kennen sie alle. Täglich gehen sie durch die Medien, Nachrichtensendungen und Sondersendungen zur Corona-Krise. Neben der Gesundheit der Menschen gilt es aber auch noch einen anderen Bereich zu schützen: die Wirtschaft. Und auch hier kündigten Regierungen und Notenbanken in den vergangenen Tagen Maßnahmen in bisher nie gekanntem Ausmaß an: Die US-Regierung hat ein Hilfspaket von 2.000 Milliarden US-Dollar auf den Weg gebracht, um Wirtschaft und Verbraucher zu unterstützen. Zudem hat die amerikanische Zentralbank FED die Zinsen auf nahezu Null gesenkt und ein umfangreiches Anleihekaufprogramm gestartet. Gleiches in Europa und vielen anderen Ländern in der Welt: Regierungen starten Konjunkturprogramme, Zinsen werden gesenkt, Liquidität in nahezu unbegrenztem Umfang bereit gestellt.

Die Maßnahmen sind bisher einzigartig, aber die Situation ist es auch. Durch den lock-down, den Stillstand des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens in vielen Ländern, sind nahezu alle Bereiche der Wirtschaft betroffen: Dienstleistung genauso wie Industrie, Kleinstunternehmer und Selbstständige genauso wie internationale Großkonzerne. Es ist derweil sicher, dass wir eine Rezession bekommen werden, die nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) mindestens so heftig ausfällt wie 2009. Jede Verlängerung der bisher ergriffenen Maßnahmen würde die Wirtschaft zusätzlich belasten, sie tiefer in die Rezession reißen. Mittlerweile fordern einige Politiker, sie deshalb zu begrenzen und schrittweise zurück zu fahren. Virologen und Mediziner hingegen argumentieren, dass die Regelungen bis zu einer deutlichen Verlangsamung der Zunahme der Neuinfektionen aufrecht erhalten werden müssen.

Gibt es ein Abwägen zwischen wirtschaftlichem Schaden und der Gesundheit von Menschen?
„Es gibt keinen Mittelweg. Wir haben die Wahl zwischen der Qual der Seuche und der Qual der Wirtschaft. Glauben Sie mir. Die Wirtschaft können wir wieder aufbauen. Die Toten wieder zurückholen nicht“, sagt dazu Bill Gates, der mit seiner größten Privat-Stiftung der Welt seit Jahren die Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten unterstützt.

Fazit:
Es gibt derzeit keine Basis, auf der die Risiken und Chancen von Anlagen am Kapitalmarkt, sei es in Aktien, Anleihen und Rohstoffen, bewertet und abgewogen werden können. Keiner kann zum jetzigen Zeitpunkt einschätzen, wie lange die Rezession dauern und wie tief sie ausfallen wird und wie stark die Umsätze und Gewinne der Unternehmen fallen werden. Daher bleibt es für den Anleger unverändert geboten, Risiken eher zu reduzieren als aufzubauen.

„I tell you love, sister,
it's just a kiss away“

Küssen ist in der Zeit der gebotenen sozialen Distanz nicht möglich. Dennoch gibt es unzählige Beweise von Nächstenliebe und Hilfe. In Nachbarschaften, Firmen – man hilft und unterstützt sich, wo man kann. Eine gute und schöne Erfahrung in dieser wilden Zeit!

Kommen Sie gut durch diese Zeit und bleiben Sie gesund!

30. März 2020 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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