Wochenklänge

„Under pressure“

Queen, 1981

Queen – eine ganz besondere Band. Die musikalische Bandbreite reichte von der Rockballade über Pop, Elementen von klassischer Musik bis hin zum Hardrock – kaum etwas haben die Musiker Freddie Mercury, Brain May, Roger Taylor und John Deacon seit ihrer Gründung 1970 ausgelassen. Sie setzten Maßstäbe mit ihren teils bombastischen Arrangements und extrem aufwändigen Bühnenshows. Mit über 700 Konzerten gehören sie zu den erfolgreichsten Livebands der 70er und 80er Jahre. Freddie Mercury, der überaus charismatische und ebenso exzentrische Sänger, starb 1991 im Alter von nur 45 Jahren an Aids.

Aus „Feel like” wurde „Under Pressure”
1981 befand sich Queen für Aufnahmen des Albums „Hot Space“ in der Schweiz. Auch David Bowie war dort, er sollte für einen Song eine Nebenstimme einspielen. Allerdings war er mit dem Ergebnis unzufrieden, seine Tonspur wurde wieder gelöscht. Aus Langeweile machten sie gemeinsam eine Jam-Session im Studio und erfanden unsinnige Texte, unter anderem zu dem Stück „Feel Like“, das bis dahin nur als Rohentwurf bestand. „Wir haben einfach ein bisschen herumgealbert und plötzlich kristallisierte sich dieser Song heraus“ sagte Mercury später zur Entstehung. Im weiteren Verlauf erarbeiteten Bowie und Mercury den Text und aus „Feel Like“ wurde „Under pressure“. Die endgültige Aufnahme entstand kurz darauf in New York. Zaungast dieser Aufnahme war übrigens der damals 19-jährige Bon Jovi, der im Studio jobbte. Er durfte allerdings den Musikern nur Kaffee bringen, sprechen durfte er mit ihnen nicht. Das Zufallsergebnis war sehr erfolgreich: es hielt sich 11 Wochen auf Platz 1 in den britischen Charts, wurde in Großbritannien mit Platin und in den USA mit Doppelplatin ausgezeichnet.

„Under pressure…“
Unter Druck des US-Präsidenten steht die Federal Reserve. Seit Monaten fordert Donald Trump unmissverständlich Zinssenkungen. Dabei hat die US-Notenbank schon einen deutlichen Schwenk in ihrer Zinspolitik vorgenommen. Statt der wie noch Ende vergangenen Jahres angekündigten weiteren Zinserhöhungen für dieses Jahr hat man nicht nur diesen Pfad verlassen, sondern Ende Juli zum ersten Mal seit zehn Jahren die Zinsen gesenkt. 25 Basispunkte sind dem Mann im Weißen Haus jedoch nicht genug. Er fordert weitere Zinssenkungen um bis zu einem Prozentpunkt, und dass – wie üblich – via Twitter und in teils beleidigender Form. Er will die Fed für seine politischen Ziele instrumentalisieren, um durch niedrigere Zinsen die durch den von ihm angezettelten Handelsstreit schwächelnde Wirtschaft zu beleben und um den Außenwert des Dollars in einem drohenden Währungskrieg mit China zu schwächen. Der Druck, den Trump ausübt, dürfte allerdings – anders als der Song – kein Chartstürmer, sondern ein Rohrkrepierer werden.

„…that burns a building down“
Die Stabilität einer Währung leitet sich in wesentlichen Teilen auch aus der Unabhängigkeit ihrer Zentralbank ab. Gerade dann, wenn es sich um die mächtigste Notenbank und um die größte Volkswirtschaft der Welt handelt. In anderen Ländern haben wir gesehen, welche Kapitalflucht durch die politische Einflussnahme auf die Geldpolitik ausgelöst werden kann: Der starke Kursverfall der türkischen Lira ist ein warnendes Beispiel hierfür. Das stabile Haus, auf das sich Investoren verlassen, bekommt Risse im Fundament und brennt im schlimmsten Fall nieder.

„Puts people on street“
Entsprechend groß sind Aufschrei und Protest gegen die versuchte Einflussnahme: Der derzeitige Fed-Präsident Powell betont die Unabhängigkeit. Er versucht zudem, jeden Eindruck zu vermeiden, dass der Schwenk in der Geldpolitik nur aufgrund der Forderungen von Trump erfolgt sei. Auch die ehemaligen Chefs, Yellen, Bernanke, Greenspan und Volcker, setzen sich in einem offenen Brief für die Unabhängigkeit der Notenbank ein – ein ungewöhnlicher Vorgang. „Eine Geldpolitik, die auf den politischen (und nicht wirtschaftlichen) Erfordernissen des Augenblicks basiert, führt langfristig zu einer schlechteren Wirtschaftsleistung, einschließlich höherer Inflation und langsamerem Wachstum“, ist ihre unmissverständliche Warnung.

„These are the days it never rains but it pours“
Es gibt so Tage, da regnet es nicht – nein, es schüttet. In der sowieso schon angespannten Lage, unter der die Stimmung in der Wirtschaft wegen des ungewissen Ausgangs des Handelskonfliktes leidet, bringen ein Währungskrieg und ein Abwertungswettlauf zusätzliche Nervosität. Das kann sich keiner der Beteiligten wünschen. Einen Vorgeschmack konnten wir am vergangenen Montag beobachten: Der Dollar stieg gegenüber dem chinesischen Yuan erstmals seit elf Jahren auf über 7,00 – in der Vergangenheit eine „rote Linie“. Prompt folgte der Vorwurf aus Washington, China betreibe Währungsmanipulation und wolle sich durch Abwertung der eigenen Währung Wettbewerbsvorteile verschaffen. Auch wenn der Anstieg des Dollars nicht durch direktes Eingreifen der chinesischen Notenbank ausgelöst wurde – sie hat es zugelassen. Das allein sorgte schon für Nervosität an den Märkten.

Fazit:
Brexit, Handelskrieg, ein möglicher Währungskrieg und jetzt auch noch eine Regierungskrise in Italien – die Nerven der Anleger werden in diesen Tagen verdammt strapaziert. Entsprechend stark schwanken auch die Kurse von Aktien. Jede Hoffnung auf Entspannung wird mit steigenden Kursen honoriert, jede noch so kleine Eskalation mit fallenden Kursen. Und das in einer Zeit, in der wegen der Feriensaison die Umsätze an den Börsen niedriger sind und die Kursausschläge daher umso heftiger ausfallen. Das müssen Anleger jetzt aushalten. Eine völlige Neuorientierung ist erst möglich, wenn es Lösungen und Entscheidungen gibt. Erst dann kann man rational die Chancen und Risiken der Investments neu bewerten. „Can't we give ourselves one more chance“, lautet die flehende Bitte am Ende des Songs „Under Pressure“. Das möchte man gern den populistischen Politikern mit auf den Weg geben: Gebt euch und uns bitte noch eine Chance auf eine friedliche Lösung!

12. August 2019 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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