Wochenklänge

„What a fool believes“

Doobie Brothers, 1978

1978 veröffentlichten die „Doobie Brothers“ aus Kalifornien diesen Song, geschrieben wurde er einige Jahre zuvor von Kenny Loggins und Michael McDonald. Mit mittlerweile 48 Millionen verkauften Alben tourt die Band gerade mit Santana durch die USA. Seit der Gründung im Jahr 1970 kamen und gingen bei den Doobie Brothers die Musiker, mit wechselnden Besetzungen änderte sich ein Stück weit auch immer die musikalische Ausrichtung. Ihren größten Erfolg hatte die Band 1978 mit dem Album „Minute by minute“. Der darin enthaltene Song „What a fool believes“ katapultierte die Doobie Brothers an die Spitze der amerikanischen Charts und brachte ihr gleich zwei Grammys ein.

„What a fool believes, he sees“
Ob sie selbst an sich und ihre teilweise maßlosen Versprechungen glauben, kann keiner genau sagen. Ob zum Beispiel in Großbritannien ein Premier Johnson vom Erfolg des Brexit, in den USA ein Präsident Trump vom Erfolg des Handelskrieges oder in Italien Innenminister Salvini vom Erfolg seines Kurses gegen die Europäische Union überzeugt ist, man weiß es nicht. Aber eines steht fest: Mit ihren einfachen, aber brillant vorgetragenen Geschichten und simplen Lösungen für die Probleme dieser Zeit sammeln sie Mehrheiten gegen ihr Feindbild, das so genannte politische Establishment. Ihre Wähler zumindest glauben fest an den Erfolg dieser populistischen Parolen, das wird zunehmend zum Problem. Gerade in Zeiten eines wirtschaftlichen Abschwungs, wie wir ihn jetzt erleben, und dadurch zunehmenden Verteilungskämpfen punkten Leute wie Johnson, Trump und Salvini bei den Wählern. Musste sich Salvinis Lega bei den italienischen Wahlen im Frühjahr 2018 noch mit 18 Prozent als Juniorpartner in eine Regierung mit den Linkspopulisten Fünf Sterne begeben, so hat sich die Stimmung im Volk bei den Europawahlen komplett gedreht. Die Lega konnte ihr Ergebnis verdoppeln. Teure Wahlgeschenke, eine EU- und Migrationsfeindliche Politik scheinen zu fruchten. Was ein Narr glaubt, das möchte er auch sehen.

„No wise man has the power to reason away”
Und kein noch so kluger Mensch kann ihn, den Narr, vom Gegenteil überzeugen. Salvini will das Momentum nutzen, über ein Misstrauensvotum den bisherigen Premier Conte stürzen und Neuwahlen erreichen. Italien befindet sich gerade in den Haushaltsverhandlungen mit der EU, bis Mitte Oktober muss der Haushaltsentwurf 2020 vorgelegt werden. Ein Wahlkampf genau in dieser Zeit wäre fatal, ein Sieg Salvinis der worst-case für die Europäische Union. Italien, drittgrößte Volkswirtschaft und Gründungsmitglied der EU, ist mit über 130 Prozent im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsleistung verschuldet. Absolut liegen die Verbindlichkeiten bei 2.300 Milliarden Euro. Jede politische Unsicherheit in Italien würde die Zinsen für italienische Staatsanleihen deutlich steigen lassen und damit die finanzielle Belastung des Staatshaushaltes. Noch darf sich das Land der Unterstützung einer Europäischen Zentralbank wohl sicher sein. Aber irgendwann, am so genannten „point of no return“, gibt es dann keine Feuerwehr der Welt mehr, die in der Lage wäre, den Brand unter Kontrolle zu bringen, geschweige denn zu löschen.

„What seems to be is always better than nothing”
Aber das genau macht den Erfolg der Populisten aus: der Schein ist immer noch besser als gar nichts. Und Schuld sind immer die anderen. Man macht Stimmung gegen die EU, gegen Migranten, schottet sich ab und macht eine nationalistische Politik. Dabei brauchen die Unternehmen in Europa und weltweit offene Grenzen und eine offene Gesellschaft. Arbeitskräfte, Ressourcen und Produktionsstätten müssen auch außerhalb der Landesgrenzen oder Kontinente jederzeit ungehindert verfügbar sein – die Globalisierung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Aber wahrscheinlich müssen die Populisten mit ihren Versprechen erst einmal krachend scheitern, damit der Narr, der sie gewählt hat, es verstanden hat. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät.

Fazit:
Populismus wird von vielen nicht nur als Bedrohung für die Demokratie gesehen – auch die Wirtschaft und die Unternehmen werden durch eine egoistische und nationalistische Politik Schaden nehmen. So ist der Protektionismus eines Donald Trump maßgeblich verantwortlich für die Krise, in die die Weltwirtschaft in diesen Tagen schlittert. Aber kein Problem für Trump, mit dem nötigen Druck auf „seine“ Notenbank, die Zinsen zu senken, hatte er ja zumindest schon einmal Erfolg. Gleiches gilt für Italien, wo ein Matteo Salvini die EZB regelrecht vor sich hertreibt, die Zinsen noch weiter zu senken und die Anleihen seines Landes auf die Bücher zu nehmen. Klar ist, der populistische Trend provoziert eine globale Rezession, der sich am Ende auch die Aktienmärkte nicht entziehen können. Noch klammern sich die Börsen allerdings an den Strohhalm Geldpolitik. Aber sowohl die Mittel als auch die Halbwertzeit sämtlicher Maßnahmen der Notenbanken nehmen von Mal zu Mal ab.

20. August 2019 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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