Wochenklänge

„I am the god of hellfire”

Arthur Brown, 1968

Zweifelsohne ein Welthit, aber auch einer der berühmten One-Hit-Wonder: der Song „Fire“ von Arthur Brown. 1968 veröffentlichte der britische Rockmusiker das Album „The Crazy World of Arthur Brown“ und landete damit seinen einzig nennenswerten Charterfolg. Das Album gilt als Klassiker der psychedelischen Rockmusik der späten 60er Jahre. Beteiligt waren unter anderem Carl Palmer von „Emerson, Lake and Palmer“, produziert wurde das Album vom Manager von „The Who“, Kit Lambert, und ebenfalls mitgewirkt hat Pete Townshend, der Gitarrist von The Who. Arthur Brown war bekannt für seine skurrilen Bühnenshows, gerne zog er sich einen brennenden Helm über den Kopf. Schon ein Jahr später nach diesem Erfolg trennte sich die Band wieder und der „Gott des Höllenfeuers“ zog sich ins Privatleben zurück, wirkte aber 1975 noch an der Verfilmung der Rockoper „Tommy“ von The Who mit.

Arthur Brown spricht sich deutlich gegen den Terror aus
Der Song „Fire“ wurde uns im März dieses Jahres in traurige Erinnerung gerufen. Als ein Attentäter im neuseeländischen Christchurch in einer Moschee wahllos um sich schoss und so 51 wehrlose Betende tötete, streamte er diese Tat auf Facebook. Dabei lief der Song „Fire“ von Arthur Brown. Der Musiker sagte daraufhin einen für den nächsten Tag geplanten Auftritt ab und sprach sich sehr deutlich gegen den Terror aus: “Hiermit möchte ich mein Entsetzen und meine Trauer über den Einsatz von 'Fire' in einem Terrorakt in Neuseeland zum Ausdruck bringen. Meine Gedanken sind jetzt bei allen Opfern dieser Gräueltat und deren Familien. Ich unterstütze keine Gruppe oder Einzelperson, die sich des Terrors bedient, um anderen Überzeugungen als ihren eigenen zu begegnen. Ich denke, dass Menschen aller Religionen, Hautfarben und Rassen den gleichen Respekt verdienen und dass wir uns gemeinsam um alle Geschöpfe auf dieser Erde kümmern müssen.

„and I bring you: fire”
Als einen solchen Gott des Höllenfeuers kann man mittlerweile auch US-Präsident Donald Trump bezeichnen. Jede Woche gibt es neue Absurditäten und Twitter-Tiraden. Mal fragt er öffentlich, wer der größte Feind des USA sei: der Chef der amerikanischen Notenbank, Jerome Powell, oder der chinesische Staatspräsident Xi Jingping. Dann sagt er beleidigt einen Staatsbesuch in Dänemark ab, weil die dänische Premierministerin Trumps Wunsch nach dem Kauf Grönlands als „absurd“ bezeichnete. Er ermutigt Boris Johnson zu einem harten Brexit und verspricht ein „großartiges“ Handelsabkommen und treibt so einen Keil zwischen Großbritannien und die Europäische Union. Und er behauptet, den USA ginge es ohne China deutlich besser und fordert US-Unternehmen auf, die Produktion in China zu stoppen. Zudem verharmlost er erneute nordkoreanische Raketentests kurz vor dem G7-Gipfel in Biarritz.

Der Paukenschlag jedoch folgte am Freitagabend vergangener Woche. Nachdem China als Reaktion auf neue US-Strafzölle seinerseits Zölle auf US-Importe im Gegenwert von 75 Milliarden US-Dollar angekündigt hatte, folgte die Vergeltung auf dem Fuß: die bisherigen Zölle auf chinesische Importe von 250 Milliarden Dollar sollen von 25 auf 30 Prozent steigen. Zudem sollen die bisher verschont gebliebenen Importe im Volumen von 300 Milliarden Dollar nun 15 statt zehn Prozent belegt werden. Bei all dem fühlt sich Trump nahezu in göttlicher Mission: „Ich bin der Auserwählte“, sagte er am Mittwoch auf eine Frage zum Handelskrieg, um dann hinzuzufügen: „Und wissen Sie was: Wir gewinnen!“

“Fire
To destroy all you've done
Fire
To end all you've become”

Mit diesem von ihm entfachten Höllenfeuer zerstört Trump die Errungenschaften der Nachkriegszeit: Internationalisierung und Globalisierung, aber auch Bündnisse und Freundschaften. Und er ermutigt die Populisten und Potentaten. Und mit der erneuten Eskalation steigt auch die Gefahr einer Rezession der großen Volkswirtschaften, in der Eurozone – speziell in Deutschland, aber auch in den USA. Eine Rezession in den USA und zudem fallende Aktienkurse würden eine Wiederwahl Trumps im November 2020 allerdings deutlich gefährden. Das Feuer könnte also auch seine Chancen auf eine zweite Amtszeit zerstören – mit Verlaub: die einzig gute Nachricht!

Fazit:
Was heute für Anleger sicher ist, dann dass nichts sicher ist. Die Halbwertzeit von Trumps Aussagen wird immer kürzer und sein Verhalten immer impulsiver. Und es scheint derzeit niemanden in der US-Administration zu geben, der sich traut, ihn in die Schranken zu weisen. Die Entwicklung der nächsten Wochen und damit die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte sind derzeit nicht zu prognostizieren. Und so passt dann auch die musikalische „Crazy World of Arthur Brown“ mit der in den vergangenen Tagen noch ein bisschen mehr Realität gewordenen „Crazy World of Donald Trump“ zusammen – heißt für Anleger: am besten Helm aufziehen und in Deckung gehen.

26. August 2019 Gregor Müller, Leiter Investmentstrategie, CEFA Wochenklänge: unser Kommentar zum aktuellen Weltgeschehen – jeden Montag.
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